Dote - Unser neuer Schwarm

Viel zu selten kann unruhr Unruhestifter aus dem Revier vorstellen. Jetzt sind wir glücklicherweise auf Dote aus Essen aufmerksam geworden. Die vier Jungs haben sich völlig unspektakulär im Schulchor kennengelernt und bereits kurz nach der Bandgründung 2017 die EPs "North" und "Centre court" aufgenommen. Dote stehen für schöne Indie-Popsongs mit prägnanten Gitarren, einprägsamen Melodien und leichtem Retrocharme.
Auch das neueste Stück "Liar" haut in diese Kerbe. Ein bissiger Song über das vermutlich ergiebigste Popsongthema: Das Verlassenwerden. Aus dieser seltsamen Stimmung zwischen sterbensgleicher Traurigkeit und alkoholgeschwängerter Wut sind unzählige große Songs hervorgegangen. "Liar" setzt die Linie fort mit rumpelndem Bass, quengelnden Synthies, sägenden Gitarren und extremer Tanzbarkeit.

Damit haben es Dote nun bis nach Hamburg zu Chateau Lala geschafft und somit hoffentlich den Grundstein gelegt, unsere neue Pophoffnung aus dem Pott zu sein.

www.dotemusic.com

Tagträume in der Fischfabrik

Seit ihrem Debütalbum "Cage and aviary" gilt die Britin Bryony Jarman-Pinto als wichtige Vertreterin des modernen Jazz. Es ist daher kein Wunder, dass Bryony eine Einladung in die heiligen Hallen des Jazz bekam. In den Londoner Fish Factory Studios des italienischen Drummers Antonio Feola hat die begnadete Sängerin Tracks ihres Albums als Akustikversionen aufnehmen können."Die Fish Factory Sessions bedeuten echtes Live-Feeling, wie ein Gig, weniger wie Studiosessions", erklärt Jarman-Pinto zu den neuen Versionen.
"Day dream" wird dabei genial unterstützt von Alley Lloyd an der unwiderstehlichen Gitarre und von Vanessa Rani Chutturghoon an den akzentuierenden Congas. Das ist coole Jazz-Essenz. Percussions, rhythmische Gitarre und gekonnter Gesang. Da fehlt nichts. Es bleibt zu hoffen, dass "Day dream" lediglich der Auftakt weiterer wundervoller Bearbeitungen von Bryonys Songs ist. Ich glaube, die Chancen dafür stehen gut...

www.bryonyjarmanpinto.com

Punk mit Zitrone

Bands, die es hinkriegen, nach Keller zu klingen, sind erfrischend wie Zitronen. Leopard aus Berlin scheint in diese Kategorie zu gehören. Mit zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug sind sie ganz weit entfernt von überproduzierten Songmonstern. Leopard klingt nach Punk und Rock'n'Roll, besinnt sich auf das Wesentliche und ist schön dreckig in der Tonbauererei Berlin abgemischt.
So wie das klingt, verbringen die Jungs von Leopard ihre Abende nicht mit Zitronensaft.  Oder kann man Zitronen auch rauchen?
"Zitrone" ist die erste Single von Leopard und der Vorbote für die Debüt-EP "Mysterium", die am 12. Juni veröffentlicht wird. Schon mal rot anstreichen im Kalender!

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Blitz, Donner, kiffen und traurige Lieder

blinker blitz coverDie Blitz-EP von Blinker ist seit wenigen Tagen auf dem Markt und bestätigt, was unruhr bereits im Februar konstatierte: Blinker macht gediegene Popmusik, die musikalisch und textlich alles Wesentliche auf den Punkt bringt. Urbane Musik zwischen Party und Nachdenklichkeit mit reflektierten Texten, die Traurigkeit mit Drogenkonsum in richtigen, selbstverantwortlichen Dosen verbindet. Blinker-Songs holen dich immer genau da ab, wo du gerade ziemlich doof und ratlos rumstehst und bringen dich zurück ins Leben.
Zur Veröffentlichung gab es einen der Virenkrise geschuldeten Live-Stream in einer ähnlichen Länge wie die neue EP. Ein Viertelstündchen beste Qualität. Eine sehr gesunde Verabreichung an Gitarre, Bass, Schlagzeug und gebrauchsfertiger Alltagslyrik. Undedingt bemerken!

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Schlichter Prachtpop von Goss

Popmusik kann manchmal so unsagbar langweilig sein, so fürchterlich uninspiriert, so billige Meterware. Aber jetzt kommt jemand, der sich Goss nennt und offensichtlich für jeden seiner Songs eine gute Idee hat. Damit fiel der Däne vor drei Jahren bereits einigen Blitzmerkern auf, als er die Debüt-EP "Healthcare" veröffentlichte. Da wurde bereits deutlich, dass Goss ein Gespür für Sound hat und damit seinen Pop prächtig aufpeppt. Unser nördlicher Nachbar fischt bei jedem Song etwas Besonderes aus der großen Mottenkiste der Populärmusik.
Genau wie bei den dazugehörigen Videoclips, die nie unter mangelndem Einfallsreichtum leiden. Und wenn es nur die größte dänische Sammlung an Secondhand-Anzügen ist.
Aktuell präsentiert Goss die aktuelle Single "Country boy" und macht nahtlos dort weiter, wo er mit "Healthcare" vorläufig endete. Es ist weiterhin Pop mit Stil, der sehr schön mit dem unprätentiösen Auftritt des Dänen kontrastiert. Und wenn das so bleibt, dann dauert es nicht lang bis jedermann darüber redet.

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Ja ja, alles gut. Ich weiß.

Geht euch das auch fürchterlich auf die Nerven, wenn Berufsoptimisten euch in schweren Lebenslagen aufmunternd zurufen: Alles wird gut!? Aber Sophie Hunger kann man so richtig nichts übelnehmen. Deswegen war die Freude groß als die Schweizerin gestern ein Appetithäppchen ihres kommenden Albums servierte.
Denn auch wenn der Track "Everything is good" heißt, ist es die erste freudige Überraschung aus dem langerwarteten siebten Album "Halluzinationen", welches Ende August bei Caroline International erscheinen wird. Sophie bleibt mit damit dem Weg treu, den sie mit dem Vorgänger "Molecules" einschlug.
"Halluzinationen" ist wie das 2018er Werk elektronisch und englisch. Und jetzt kommt die erste Single sogar noch eingängig poppig und fast leicht verdaulich rüber. Aber Sophie Hunger hat gar kein Problem mit Pop. Für sie ist alles Pop, was nicht Klassik oder Jazz ist.
Möglicherweise rührt der neue Pop-Appeal von den Aufnahmesessions in den Londoner Abbey Road Studios, wo alle Songs von "Halluzinationen" unter der Regie von Dan Carey in einem Take eingespielt wurden.
Jetzt also kein Naserümpfen und Brauenhochziehen, sondern wertfrei das neue Material der Wahlberlinerin genießen.

www.sophiehunger.com