1+1=1 - Mathe mit Anger

Das Wiener Duo Anger kann sich nicht entscheiden. Diesen Eindruck macht der bisherige Output der Newcomer. Erinnerte die erste Single "Love" noch stark an die Achtziger, verbindet die neue Single ganz verschiedene Stile. Doch nicht in einem Tune. Nein, "Baby / Sie schreit" ist quasi eine Doppelsingle. Zwei Stücke in einem. Und auch das dazugehörige Video passt sich an und wird nach anderthalb Minuten kurz schwarz, um dann mit Teil zwei ganz anders fortzufahren.
Es startet mit "Baby", einem österreichischen Dancehall-Track, während der zweite Teil schöner Schlafzimmer-Pop ist. Eine verwirrende Vielfalt, die Nora Pider und Julian Angerer kredenzen. Alles andere als langweilig, was die Spannung auf das im Herbst geplante Debütalbum ganz nett in die Höhe treibt. Dass es auf dem Album eher unentschieden bleibt, lässt der Titel "Heart / Break" vermuten.

www.instagram.com/weareanger

 

Jnr Williams glaubt der Oma nicht

Hat Omma schon gesagt: Zeit heilt alle Wunden. Aber Jnr Williams glaubt meiner Omma nicht. Daraus hat er jetzt einen Song gemacht, bei dem er leidet, weil nichts seine Verletzungen heilt. "Healer" ist der nächste extraordinäre Song des jungen Londoners. Ein schön bassbetonter, moderner Gospelsong, der mit R'n'B- und HipHop-Elementen spielt und Jnr Williams' markante Stimme gekonnt untermalt.
"Healer" ist einer von vielen kommenden Songs, die der Junge demnächst in loser Folge veröffentlichen wird und die sein Können eindrucksvoll unter Beweis stellen. Wir bleiben dran!

www.jnrwilliams.com

Unbedingt tief inhalieren - Die Cigaretten

Die "Typen mit Girls" sind die Cigaretten aus Hamburg. Und "Typen mit Girls" ist auch die neueste Single der Band, bei der er es irgendwie um den öffentlichen Nahverkehr, okkulte Kellerpartys, kanadische Fake-Wälder und antikapitalistische Konsumverweigerung geht. Soweit man den Text versteht. Denn meistens wird das infernalische Geschrei von brachialen Gitarren übertönt. Doch das ist der Trend und somit sind Die Ciagretten ganz vorne dabei.
Die Band versucht verzweifelt, das Debütalbum endlich zu veröffentlichen und wir wollen hoffen, dass es wie geplant "Dumme Scheiße" heißen wird. Wer's jetzt immer noch nicht kapiert hat: Die Cigaretten sind ein ganz heißes Ding und ihr solltet unbedingt rumgucken, ob die Jungs nicht mal in den Kaschemmen eurer Stadt auftauchen, um geilen Lärm zu machen.

www.facebook.com/dieCigaretten

Funky Reggae Party

lightning headBereits vor einigen Tagen ist ein Re-Release von Lightning Head auf den Markt gekommen, den man schnell übersieht, aber keinesfalls übersehen sollte. Tru Thoughts Records aus Brighton hat Lightning Head aka Glyn "Bigga" Bush eine Lücke angeboten, die dieser mit der erneuten Veröffentlichung von "Studio Don" mehr als gefüllt hat.
Bereits 2002 erstmals bei Sonar Kollektiv in Berlin veröffentlicht, vollziehen die Tracks eine sehr sehr coole Fusion von Funk, Latin und Reggae. Bush sagt, die Idee dahinter sei gewesen, "sich eine Fremdbestäubung der Musik von Kuba und Jamaika vorzustellen".
Doch geht der Ansatz noch weiter, schließlich bezieht Lightning Head die Südstaaten der USA ebenso mit ein. Und so ist "Studio Don" vollgepackt mit funky Gitarrenriffs, Reggae-Off-Beats, Latin Piano Lines und dubbigen Bässen. Mit "Superfunky bird" ist ein Track dabei, der seinen Titel aber sowas von verdient hat und auch "Me & me princess" ist hardcore funky. Gutes von gestern!

www.biggabush.co.uk

Schamlos nach Neufundland

Jetzt ist es draußen. Das zweite Album der Kölner Band Neufundland. Einfach "Scham" betitelt. Darauf 12 Songs, von denen es nicht ein einziger in die Playlist der deutschen Nationalmannschaft schaffen wird. Gott sei Dank! Auch Böhmermann wird seine Häme nicht über "Scham" auskübeln müssen. Denn endlich gibt es mit Neufundland wieder deutsche Popmusik mit lyrischen  Anspruch und krachenden Gitarren.
Eine Menge schambehaftete Themen hat Neufundland in Songs wie "Eine Nagelbombe später", "Staub der Verlierer" oder "Die Nacht ist jung" untergebracht und in hochwertigem Gitarrenpop mit Rockattitüde verpackt. Fühlt sich beim Auspacken fast an wie Weihnachten.

www.instagram.com/neufundland_hallo

Moyka aus den Wäldern

Die Akustik-Version von "Colder" ist schön fokussiert auf die glasklare Stimme von Moyka. Aber diese Version der ersten Single ist nicht das, was man wirklich von Moyka bekommt. Die sehr junge Norwegerin aus den Wäldern des Hallingdaltals steht für synthie-basierte Elektronik, die sie mit dieser bekannten, nordischen Melancholie verschmilzt.
Die Liebe zum leicht 80er-gefärbten Synthiesound entstand während des Studiums der Musikproduktion in Bergen. Dort lernte sie sehr schnell, wie man sich "ein eigenes, mystisches und synthie-basiertes Universum" erschafft. Wer also den echten Output der 21-jährigen Sängerin und Produzentin kennenlernen möchte, sollte sich die Originalversion von "Colder" anhören oder auch die zweite, aktuelle Single "Bones" und damit rechnen, nicht mehr stillsitzen zu können.

Floorfiller-Sounds aus dem hohen Norden!

www.instagram.com/moykamusic

Traurig tanzen mit Max Jury

"Ich habe mein ganzes Leben damit verbracht, am Klavier zu sitzen und traurige Lieder zu spielen", sagt Max Jury von sich selbst. Diese gewisse Melancholik spürt man auch bei Max' zweitem Album, das morgen erscheint. "Modern world" besitzt tieftraurige Momente wie beispielsweise bei "Gone" oder "Burning through you", aber auch schwer groovende Passagen. Da ist an erster Stelle der Opener "Sweet lie" zu nennen, der auch den Beginn der Zusammenarbeit von Max und dem Produzenten Robin Hannibal markiert. Hannibal, der vielleicht am bekanntesten ist für sein Co-Writing auf Kendrick Lamars "Bitch, don't kill my vibe".
Hannibal fügte Jurys Sound diesen Neo-Soul-Touch hinzu, der "Modern world" ausgesprochen gut tut. Dieses Soulfeeling wird perfekt inszeniert von den angesehenen Sessionmusikern Joel van Dijk an der Gitarre, Schlagzeuger Bill Campbell und Bassist Thomas Drayton, mit denen Max Jury "Modern world" einspielen durfte.
Der obige Clip zeigt Max aber von seiner sehr gefühligen Seite, mit einer Akustik(Mahogany)-Version der Single "Sweet lie", die sehr schön Max' Talente betont.

www.maxjury.com

Omas Klavier und Kochlöffel

hukkelbergHanne Hukkelberg hat ihr neues Album "Birthmark" auf dem alten Klavier von Oma komponiert. Vielleicht hat Hanne sich auch deshalb an ihre Tage als Teenager zurück erinnert, als R'n'B und Soul ganz hoch in ihrer Gunst standen.
Und daher wird das neue Album der Norwegerin facettenreich zwischen Jazz und abseitigem Pop pendeln. Hinzu kommt Hukkelbergs Liebe zu field recordings. Viele der Percussionssounds auf "Birthmark" stammen von Haushalts- und Küchengegenständen. Im Zentrum des Albums steht aber erneut die wandelbare Stimme der erfahrenen Musikerin und Produzentin.
"Birthmark" erscheint erst im August. Aber schon jetzt gibt es die erste Single "Crazy". Ein Großteil dieses Songs ist bei einer spontanen Jam-Session entstanden. Hanne hat diese Session im Backstagebereich mitgeschnitten als sie mit ihrer Band in Göteborg unterwegs war. Und ihr dürft raten, von welchem Haushaltsgerät des Backstagebereiches dieses Pling im Refrain stammt...

www.hannehukkelberg.com

Foto: Mike R. Cruz-Angeles

Listen...aber ganz genau

Denn diejenigen, die an Pieces of a Man vorbeihören, werden etwas verpassen. Sie werden eine ganz coole Souljazzfunk-Band aus Manchester verpassen, die mit "Listen" jetzt gerade ihre zweite Single vorlegt. Ein Track, der auf völlig Soul und Funk vertraut und ganz fett groovt. Der Sound von Pieces of a Man ist schwer inspiriert von P- und G-Funk, von George Clinton und Quincy Jones. "Listen" wartet mit unglaublichen Synthie- und Rhodes-Riffs auf, die in der Studioversion mit knackigen Bläsern kombiniert werden.
Der obige Clip zeigt eine Live-Studio-Session, die in den Oxygene Studios in Manchester eingespielt wurde. Die Band um Sänger To!u und Keyboarder Pils - deren Name vermutlich auf das erste Album von Gil Scott-Heron zurückgeht -  wird am 12. Juli das eigene Debütalbum "Made in pieces" bei Tru Thought Records veröffentlichen. Unbedingt im Kalender rot anstreichen!

www.piecesofaman.org

 

 

Angie McMahon würden wir vermissen...

...hätten wir sie nicht kennengelernt. Schon länger munkelt man hinter vorgehaltener Hand von der jungen Australierin. Jetzt schickt sie sich an, auch bei uns Bekanntheit zu erlangen. Offiziell als Singer-/Songwriter etikettiert, kommt Angie aber eher auf einer Welle von Rock'n'Roll aus ihrer Heimat rüber. Unprätentiöse Rockmusik mit ordentlichen Gitarren und einer kernigen Stimme kennzeichnet Angies Sound, wie beispielsweise im Song "Missing me".
Der Song ist eine Auskopplung ihres kommenden Debütalbums "Salt", das man kaum erwarten kann, wenn man "Missing me" erst einmal schätzen gelernt hat. Angie McMahon könnt ihr demnächst auch in Dortmund beim Way Back When Fest live erleben. Achtet auf unsere Konzertbefehle.

www.angiemcmahon.com

Über sieben Brücken...UCee

In der letzten Woche erschien das zweite Studioalbum von UCee. Genannt "Bridges" baut es tatsächlich genreverbindende Brücken. Genau wie UCee sein Leben zwischen Deutschland, Ägypten, Marokko und Tschechien scheinbar mühelos verbindet, finden sich auf dem neuen Album verschiedene Spielarten des Reggae zusammen.
Die  Tunes auf "Bridges" decken den gesamten Raum zwischen Dancehall und Roots ab. Startet das Album eher indifferent in den Zwischenräumen, gerät der Mittelteil zum Roots Reggae Fest, was überwiegend mit der Teilnahme von Sam Gilly an den Drums zu tun hat. Der gehört eigentlich zur österreichischen Band House of Riddim mit Kernkompetenz Roots. Am Ende geht's dann wieder in die Dancehall und so ist der Tune "Mrs. Clean" eher nicht stellvertretend für das gesamte Album.
Insgesamt ist "Bridges" ein schönes Album geworden, eben weil es sich nicht eindeutig irgendwo einordnen lässt.

www.u-cee.com

Jeremias, die Sonne scheint!

Jeremias ist so unverschämt jung. Das macht es einfacher, zu behaupten: "Alles gibt sich von allein und zeigt sich doch so leicht, so leicht." Zu diesen Textzeilen liefern die Newcomer aus Hannover den passenden Soundtrack. Die erste Single "Alles" sprüht vor funky vibes und wer sich dazu nicht bewegt, ist ein Verwandter vom Holzbrett. Der Song ist derart voller Achtziger-Flair, dass man den Clip zunächst für eine nachkolorierte Fassung von damals hält. Das schreit nach weißen Tennissocken!
Der brachenbekannte Berliner Produzent Tim Tautorat hat Jeremias bereits ebenfalls entdeckt und nimmt mit den vier Jungs gerade die erste EP "Du musst an den Frühling glauben" auf. Das ist ein bemerkenswerter Start in die Karriere. "Alles" lässt Großes erwarten und uns an den Frühling glauben.

www.jeremiasmusik.de

Breitwand-Pop von SebastiAn

Es ist nicht so, dass SebastiAn die letzten acht Jahre auf der faulen Haut lag. Trotzdem wird nach 2011 erst dieses Jahr das zweite Album des französischen Producers erscheinen. Zwischenzeitlich war er für viele Größen des Popbiz tätig. Nun aber kommt SebastiAn endlich wieder mit eigenem Material. In Herbst erscheint das zweite Album bei Ed Banger/Because Music.
Ab jetzt rührt der Franzose kräftig die Werbetrommel für das kommende Album, beginnend mit der Veröffentlichung der ersten Single "Run for me". Ein Song mit dynamischer Tiefe und epischer Breite. Der Song und zugehörige Clip lassen erahnen, dass SebastiAn häufig auch im Sektor Filmmusik tätig ist."Run for me" featured US-Artist Gallant. Die amerikanische Soulstimme hat 2016 mit großem Erfolg sein eignes Debütalbum "Ology" veröffentlicht. Mit der ersten Single haben die beiden ein kleines Pop-Epos erschaffen.

www.instagram.com/sebastian_edbgr