Hoffentlich bald Frühling

Der neue Song von klebe ist einer dieser Momente, auf die sich zu warten lohnt. Tausend Stunden Radio für umsonst, Spotify abgehakt und dann kommt "Es ist Frühling". Dermaßen unspektaulär, dass die große Gefahr beteht, es zu überhören. Wofür man sich dann aber ohrfeigen müsste.
"Es ist Frühling" ist ein Lied für alle, denen es richtig scheiße geht, denen es mal richtig scheiße ging und für alle, die jetzt noch gar nicht wissen, dass es ihnen mal richtig scheiße gehen wird.
Liza Ohm hat mit der ersten Single ein wahnsinnig beeindruckendes Debüt als klebe abgeliefert. Der Song verpackt wichtige Worte in einer erschreckenden Beiläufigkeit und beschreibt in vier Minuten die Schwierigkeiten depressiver Menschen und deren Begleiter in nahezu umfassender Art und Weise. Am Ende weiß man nicht, ob lächeln oder weinen besser passt. Die Vielfalt der Emotionen, die  "Es ist Frühling" transportiert, ist unfassbar groß. Die Einfachheit des Songs steht der Komplexität der Aussage in genialer Weise gegenüber. Der Song ist eine echte Perle!

www.klebemusik.de

Soeckers sucht Athletiktrainer

Es ist schon besser, dass die die vier Jungs der Münsterländer Kapelle Musiker geworden sind. Für eine Sportkarriere hätte es bei dem ein oder anderen wohl nicht gereicht, wie der neue Videoclip von Soeckers zeigt. Darin laufen die Sportskanonen entsprechend des Refrains "Für dich lauf ich im Leben nicht irgendwo mehr hin" etwa 2 Minuten am Stück einen ebenen Wirtschaftsweg zwischen Feldern und Kraftwerken in der Abensonne entlang. Und das bereitet offensichtlich Probleme bei Einzelnen.
Musikalisch dagegen geben Soeckers richtig Gas. Im Herbst letzten Jahres erst das Debütalbum, jetzt schon wieder neue Songs, von denen "Im Leben nicht" nun als erster Premiere feiert. In Wien unter der Leitung von Wanda-Produzent Paul Gallister eingespielt, manifestiert "Im Leben nicht" den poppigen Indie-Rock britischer Prägung der Band. Der neue Song ist einer von 14 neuen, die bei der Wiener Session entstanden. Es zeichnet sich also ein neues Album als Silberstreif am Horizont ab.

www.soeckers.de

Ein Jambalaya des Ausdrucks

Mit dieser kulinarischen Umschreibung charakterisiert Greentea Peng ihr kommendes Album "Man made", aus dem uns die Britin mit "Kali V2" einen weiteren Auszug serviert. Wer Jambalaya bereits einmal kosten konnte, der weiß, dass dieser Südstaaten-Klassiker mit Einflüssen aus aller Welt eine Aromabombe sondergleichen ist. Wenn Greentea Peng nun ihr Debütalbum damit vergleicht, zeigt es die Ausrichtung von "Man made". In achtzehn Stücken wird Greentea Peng ihre Sicht auf die Welt, auf viele Facetten des Zusammenlebens und einen Einblick in ihr Innerstes geben. Die aktuelle Single "Kali V2" ist daher exemplarisch für das Album.
Die exaltierten Outfits der Künstlerin reflektieren den changierenden Sound zwischen Neosoul, Trip und Hip Hop, Reggae und Ragga. Die entspannten Klänge des Albums resultieren nicht nur aus den Rauchwaren, die Bestandteil jedes Videoclips von Greentea Peng sind, sondern offensichtlich auch aus der Frequenz von 432 Hertz. Die Frequenz, in der "Man made" aufgenommen wurde, was nicht den Gewohnheiten der Musikindustrie entspricht. Das ist "deliberately detuned out of any Babylon standard", wie es GTP selbst beschreibt.
Somit erwartet uns ein extraordinäres, extravagantes Album und ich persönlich halte den 4. Juni, wenn "Man made" das erste Mal auf meinem Plattenteller rotieren wird, für einen Festtag. Deshalb: Fett im Kalender!

www.greenteapeng.net

Gift oder Medizin?

Tut's gut oder wird's schlimmer? Alles eine Frage der Dosis, die Schmyt aber offensichtlich drastisch erhöht hat. Im neuen Song "Gift" dreht es sich um das alte Thema: Kann ich Trennungsschmerz mit Alkohol bekämpfen? Na sicher, niemandem ist bisher Besseres eingefallen.
Diese schwerwiegende Thematik dekliniert der Berliner Musiker in schräger Poesie, die ihn in nullkommanichts zur heißen Nummer im deutschen Pop machen soll. Dort kennt er sich aus. Denn hinter Schmyt verbirgt sich Julian Schmit, der einst mit der Band Rakede sphärischen Reggae-Dubstep-Pop und 2013 den unvergesslichen Track "St. Tropez" in die Welt setzte. Der Rakede ist nun der Sprit ausgegangen, Schmit ist jetzt Schmyt und fokussiert sich derzeit auf Rap-Trap-Pop.
Jetzt ist gerade Schmyts Debüt-EP "Gift" bei Division Entertainment erschienen. Darauf verschneidet der Typ seine eckige Lyrik mit den Beats bekannter Produzenten wie Bazzazian, Alexis Troy und Farhot. Schmyt klingt trotzdem nicht wie Hinz und Kunz. Das ist vielversprechend.

www.instagram.com/derschmyt

 

50 ways, Langeweile zu bekämpfen

Das ist ein schöner Clip, der die allgemeine Beschränkheit in diesen ungewöhnlichen Zeiten sehr griffig visualisiert. Der neue Track "Bear with me" von Charlotte Adigéry thematisiert die Enge und Abgeschiedenheit der eigenen vier Wände, während draußen alles aus dem Ruder läuft. Ein Gefühl, dass derzeit wohl tausendfach geteilt wird.
"Bear with me" ist die erste Veröffentlichung aus der Compilation "Foundation". Es ist die erste Compilation des DeeWee-Labels und gleichzeitig die 50. Veröffentlichung der von den Dewaele-Brüder geleiteten Gesellschaft. Diese Jubiläums-Edition enthält neben Adigérys "Bear with me" 26 weitere Songs, die einen Überblick geben über das Portfolio des Labels. Natürlich ist auch Soulwax auf dem Sampler vertreten, der Name, unter dem Stephen und David Dewaele selbst Musik kreieren. Das unter Anderem als aufwendig gestaltetes 3-fach Vinyl erscheinende Album kommt am 07. Mai unter die Leute.
Der erstveröffentlichte Track "Bear with me" ist ein toller Popsong mit torkelnden Discobeats, den Charlotte gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Bolis Pupul eingespielt hat, der ebenfalls mit 2 Songs auf "Foundation" vertreten ist. Wenn ihr euch über DeeWee informieren möchtet, sei euch die Feier-Compilation ans Herz gelegt. Zudem eine gute Hilfe, die Coronazeiten gemeinsam zu ertragen.

www.deeweestudio.com

Very lively Jazz

In einer neuen Ausgabe der Jazz-is-dead-Reihe treffen Adrian Younge und Ali Shaheed Muhammad auf den legendären Saxophonisten Gary Bartz. Die beiden kalifornischen Produzenten haben den 80-jährigen Gary Bartz in ihr Studio eingeladen und acht Stücke eingespielt, alle Facetten des jazzigen Saxophonspiels reflektieren.
Die Bandbreite der Tracks reicht vom klassischen 70er Jahre Jazzsound über Jazzfunk bis Neo-Soul und ist gespickt mit großartigen Saxophonpassagen. Das gesamte musikalische Lebenswerk von Bartz wird in aktuelle Klangstrukturen überführt kann auch Hörer überzeugen, die ihren musikalischen Schwerpunkt bisher noch nicht Jazz hatten.
Der obige Song "Day by day" ist zudem eine Hommage an die soziopolitische Komponente der Musik von Gary Bartz, besonders aus den 70ern. Ein Clip als Trip durch viele Jahrzehnte voller Bemühungen um die Menschenrechte in den USA.
Die sechste Ausgabe von Jazz is dead ist ab morgen erhältlich.

www.jazzisdead.co

Grandbrothers - All the unknown

grandbrohers alltheunknownWarum ich zwei Monate nach Erscheinungsdatum eine Plattenkritk schreibe, obwohl jeder weiß, das ist im Musikbusiness kurz vorm Verfallsdatum? Weil ich eine Ausrede habe.

Weiterlesen

Blow your mind

Ein Pulli akkurat in die Bundfaltenhose gesteckt, ein Goldkettchen und ein Jeansoverall. Saté-Spieße...mannomann...ist das Retro! Ihr dürft das bewundern im neuen Clip von Blow. Die Franzosen haben ihr Portfolio überarbeitet und warten nun auf mit Oldschool-Soulpop. Das ist absolut ohrwurmverdächtig. „Full delight“ ist genauso gemeint und die Band sagt dazu:“Dark lyrics on light music.“
Da geht was ab. Etwas auf das wir uns freuen dürfen. Die Albumankündigung ist jetzt auf dem Tisch, wenn auch terminlich noch unbestimmt. Egal. Gönnt euch bis dahin die pure Freude mit „Full delight“.

www.instagram.com/blow_band

Rock'n'Roll 2021

Dass Rock'n'Roll mit Kontrabass und einer singenden Surf-Gitarre nicht aus der Zeit gefallen sein muss, beweist das deutsch-britische Duo The Voo. Die althergebrachte Musik wird von The Voo auf ein aktuelles Level gehoben und klingt dadurch ganz neu. Dafür benutzen Andrew Krell und Benjamin Galliers eine Menge Effektpedale und Loop-Maschinen, wodurch ihr Sound eine angenehm psychedelische Komponente bekommt. Das verführt das Duo aus Hamburg, der Musik den Stempel Dream Rock'n'Roll aufzudrücken, denn das Kind braucht einen Namen.
"Caught up in your ways" ist aber keineswegs Musik für den Schlafwagen, denn The Voo gelingt es, den Song mit spannenden Sounds aufzuladen ohne den bekannten Weg des Rock'n'Roll zu verlassen.
Es ist die erste Single der Hamburger und deutet darauf hin, dass wir von den Jungs noch 'ne Menge erwarten dürfen. The Voo scheinen auf dem besten Weg, Rock'nRoll, Blues und Surfsounds eine Wiederbelebung allererster Güte zu verpassen.

www.instagram.com/_the_voo_

Das wird teuer

Es ist schon so lang her, dass Felix de Luxe losfuhr. Mit einem Taxi nach Paris. Insofern ist es längst überfällig, dass sich mal wieder jemand auf den Weg macht. Fast 40 Jahre nach Felix begibt sich nun also Joey auf die Reise. 2021 heißt das natürlich "Uber nach Paris" und ist deutscher Rap ganz ohne Gangster.
Joey Bargeld ist vor Jahren gestartet im Schatten von Trettmann, hat drei beachtenswerte EPs mit KitschKrieg veröffentlicht und sich so in der Szene etabliert. "Uber nach Paris" ist verbunden mit der Ankündigung einer weiteren EP des Hamburgers, der sich gern mehr als der Punk als der Rapper sieht. Aber keine Berührungsangst: "Uber nach Paris" ist gut verdaulicher HipHop. Gern auch zum Mitsingen. Wie einst das "Taxi nach Paris".

www.joeybargeld.de

Irgendwo singt der Wal

Beschreibt ein Musiker sein Werk als entrückt und losgelöst von Pop- und Jazzstrukturen, wird sein Anspruch keinesfalls sein, einen Verkaufsschlager in die Läden zu bringen. Folgerichtig veröffentlicht Tortusa mit „Bre“ ein sehr persönliches Album, in dem nordischer Wind, Holzboote, Blech und Vogelstimmen wesentliche Rollen spielen.
Deren Geräusche hat der US-stämmige Norweger in Kalifornien, Italien und Norwegen aufgezeichnet. Anschließend mit Samplern, Loop-Stationen und modularen Synthesizern bearbeitet und in ein polarlichterndes, elektroakustisches Flirren verwandelt, welches tatsächlich nicht jedermanns Ansprüche an Musik erfüllen wird.
„Bre“ erfordert aktive Beteiligung des Hörers, weil auch die eigens vom Dichter Erlend Wichne kreierten Titel der 12 Stücke eine Geschichte erzählen sollen, „aber nur Teile davon, damit der Hörer sie selbst deuten kann“, wie John Derek Bishop aka Tortusa meint.
Also dann mal flugs norwegisch gelernt, die Vogel-App bereit machen und sich in das morgen erscheinende „Bre“ vertiefen.

www.bishop.no

Anleitung zum Glücklichsein

tiawa„Ich hoffe, der Song macht die Leute glücklich, wenn sie ihn hören. Das ist die Hauptsache“, sagt Tia-Awa Blackhorse, die den Track „Shine bright“ unter ihrem Pseudonym Tiawa just veröffentlicht hat.
Die Chancen stehen sehr gut, dass dieser Wunsch in Erfüllung geht. „Shine bright“ ist ein wunderhübsches Stück Musik, das punktet mit diesem unwiderstehlichen Fender Rhodes Loop, der irgendwo zwischen Bahia und Kingston festhängt. Überhaupt bietet der Song eine Menge zu entdecken, denn Einflüsse hat er reichlich. Neben den klasse Rhodes sind es die rap-style vocals mit einem Soultouch, die bewirken, dass „Shine bright“ zwischen Neo-Soul, Jazz und HipHop mäandert und von einigen deshalb bereits als purer Trip-Hop gefeiert wird.
Das lässt viel erwarten von der britischen Newcomerin. Hört selbst rein.

Wenn wieder warmer Wind weht

Ist sowas ein Gute-Laune-Song? Nein, die neue Single „Winter“ von FIBEL ist ein sehr schöner, leicht rauher Sehnsuchtsseelenwärmer. Es wird vielen so bekannt vorkommen, wenn Sänger Jonas Pentzek sagt: „Doch ich wollte dir noch sagen, dass ich mich seit Jahren noch nie so sehr auf Sommer gefreut hab.“
Verpackt ist die Ode an Wärme, laue Nächte, die Brise und das T-Shirt in popmelodischen Post-Wave, der FIBEL seit der Debüt-EP „Kommissar“ von 2017 auszeichnet. Die Jungs haben sich damals an der Popakademie Mannheim kennengelernt und leben inzwischen in...selbstverständlich Berlin! Dort wo der Winter hart und der Sommer bestimmt länger, lauter und lustiger ist.

www.fibelmusik.de

Wenn Fische singen

Vor langer Zeit entsprang der deutschen Musik-Ursuppe die hochentwickelte Spezies der Elektronikbands. Kraftwerk, Tangerine Dream oder Einzelgänger wie Klaus Schulze erreichten mit ihrem damaligen Output eine internationale Reputation wie sie deutsche Rockmusiker bis dahin nicht kannten.
Newmen nimmt sich diesem Erbe an ohne versuchen zu wollen, in die doch sehr großen Schuhe von Hütter, Schneider, Bartos und Co. zu schlüpfen. Dennoch ist die Musik der Frankfurter Band deutlich an dem damaligen Klang orientiert. Newmen erweitern den Sound jedoch mit verhallten Gitarren. Der neue Song "No tricks with the ocean" ist das neueste Material der 2012 gegründeten Band und offensichtlich klimawandelinspiriert. Sieben Minuten lang entwickelt der Song Synthieflächen und Gitarrenechos über einem steten Elektrobeat. Eine schöne Symbiose aus Gestern und Heute.

www.newmenband.com

Bass culture

Heute legt Blu DeTiger endlich ihre 7-Track-EP „How did we get here“ vor. Wir haben das Werk mit Spannung erwartet, nachdem erste Singles der EP die Runde machten.
Und: Das Warten hat sich gelohnt. „How did we get here“ ist krass funky, voller Seele und unfassbar cool. Die fulminanten Basslines der jungen New Yorkerin retten jeden Track, der in eine zu große Popnettigkeit abzudriften droht.
Das kleine Album bietet saftige Discobeats und schöne Midtempo-Mitwipper. Selbst das zweiminütige Instrumental „Disco banger but you're in the bathroom“ findet einen passenden Platz. Und wenn "Toast with the butter" nicht für die sofortige Auferstehung von Prince sorgt, fress' ich einen Besen. Mit Stiel. Das ist astreine Vielfalt, die dazu führt, dass die Enttäuschung nach sieben Stücken riesig ist, weil es schon vorbei ist.
„How did we get here“ ist eine echte Ansage der 21-jährigen Bassfrau, die hoffentlich nicht nur große Klappe ist, sondern lange nachhallt.

www.bludetiger.com

Weitere Beiträge ...

  • 1
  • 2