Grüntee trinken und auf's Debütalbum warten

Greentea Peng beweist mit der aktuellen Singleauskopplung "Nah it ain't the same" einmal mehr ihre Vielseitigkeit. Sie hat uns bereits mit Reggae verwöhnt und mit Soul beeindruckt. Nun kombiniert die Londonerin einen herrlich analogen HipHop Beat mit Jazz, feinen Keyboardpassagen und Anklängen von Drum & Bass. Das ist eine äußerst aufregende Kombination aus frischen Beats und einer angenehmen Verstaubtheit.
Darüber hinaus gibt der zugehörige Clip einen Einblick in den Corona-Alltag von Greentea Peng zwischen Grüntee, Granatapfel und großen Zigaretten. Alles zusammen genommen steigert es immens die Vorfreude auf das Debütalbum der Frau. Leider gibt es noch keine konkrete Zeitplanung für das Erscheinen von "Man made". Es heißt also Tee trinken und warten. Angepeilt ist der kommende Sommer. Das sind Aussichten: Sommer, Greentea Peng und kein Corona mehr...es wäre ein Traum!

www.instagram.com/greenteapeng

Auf festem Grund mit dem Kopf in den Wolken

Es hallt und schwingt, glockenhell klingt das zweite Album von Tash Sultana. Es ist eine Arbeit geworden über die Selbstfindung und deren Umsetzung in Musik. Tash, diese non-binäre Person ist jetzt 25 und hat vor vier Jahren ein vielbeachtetes Debüt abgeliefert, welches gekennzeichnet war von Tashs Gitarre in geloopten und gelayerten Jams.
Das neue Album "Terra firma" besteht ebenfalls aus sehr vielen Layern, hat aber phasenweise auch Bandcharakter, denn schließlich sind auch andere Musiker neben Tash Sultana am Werk. Und abseits der großen Echokammer, durch die "Terra firma" offenbar geschickt wurde, entstehen manches Mal beindruckende Soul- und Jazz-Momente. Ein schönes Beispiel dafür ist der Song "Pretty lady", der in der Albumversion schlussendlich doch im schwelgend-sphärisches Klingen endet.
Hier grüßt Esoterik die Traumwelten. Liebe, Leben und Tod geben sich bei den Songs die Klinke in die Hand. Kirchenorgel meets funky bassline. Im Mittelpunkt steht der Mensch Tash Sultana, dem nun sonnenklar ist, woher er kommt, wer er ist und wohin die Reise gehen soll. "Terra firma" ist das Album eines/einer selbstbestimmten Künstler*in im Vertrieb der Sony Music Entertainment Group.

www.tashsultana.com

Lady Gasoline ist die Disco-Queen

Das Hamburger Duo Castillo hat im letzten September mit der Debüt-Single "Havana" bewiesen, dass sie ein Händchen für Songs haben, die eingängig und zugleich anspruchsvoll sein können.
Das setzt Castillo nun mit "Lady Gasoline" fort. Der neue Song ist großartig arrangiert, so dass man beim ruhigen Piano-Intro nicht ahnt, dass einem der Song am Ende ordentlich den Kopf gewaschen hat. Und das nicht nur musikalisch. Dazu ein sehr durchdachter Clip, der viele Andeutungen zu einer klaren Botschaft formt.
Es ist wirklich sehr schwer, sich dem Drive von "Lady Gasoline" zu entziehen. Nach dem sehr souligen "Havana" haben die Jungs jetzt noch einmal eine Schüppe draufgelegt und die Spannung auf das hoffentlich bald erscheinende Debüt-Album deutlich erhöht.

www.facebook.com/musikvoncastillo

Coolness hat einen Namen - Hemai

Ist der Typ aus Birmingham nur halb so cool wie seine Musik, muss man ohne jeden Zweifel vor Neid erblassen. Hemai kombiniert Soul und Jazz mit Schattierungen aktuellster Elektronik in derart brillanter Art und Weise, dass jeder Anflug eigener Lässigkeit zur bloßen Geste verkommt. Der 22-jährige transzendiert seine Musik mit Leichtigkeit ins Himmlische. Geerdete Sounds mit den Wurzeln im Guten von Gestern gehen ab ins Spacige.
Dabei schreckt Hemai nicht vor ganz deepem Soul zurück oder antiquierten Discosounds, ist nicht fies vor Violinen und schönen handgepickten Gitarren. "Von seiten der Produktion experimentiere ich mit dem Konzept des Weltalls, bringe meine bevorzugten Sounds aus der ganzen Welt zusammen und verflechte sie mit UK Roots", fasst Hemai das prägnant zusammen.
"Relight" ist eine von inzwischen drei Vorab-Singles aus dem kommenden Album von Hemai. Es ist sein Debütalbum, wird bei Tru Thoughts veröffentlicht, heißt "Strange beauty" und am 7. Mai in eurem Lieblingsplattenladen oder auf jeder x-beliebigen Downloadplattform zur Verfügung stehen.
Ich versteige mich hier zu der Behauptung, dieses Ding ist tatsächlich von einer außerirdischen "Strange beauty", das euch beim Hören schwindlig werden wird.

www.instagram.com/hemaimusic

Wieviel Neues braucht der Mensch?

Das Thema Gentrifizierung treibt Coppicat wirklich um. Schon die erste Single des Berliners drehte sich um dieses Thema. Der neue Song "Unsere alte Liebe" verknüpft das Thema der problematischen Stadterneuerung mit den Veränderungen in einer Langzeitpaarbeziehung. Da gibt es augenscheinlich Parallelen.
Der gedankenschwere Inhalt ist flankiert von einem schnörkellosen Sound, den man vor vierzig Jahren vielleicht Deutschrock genannt hätte, auch wenn "Unsere alte Liebe" auch etwas von Britpop hat. Schön, wenn man mit wenigen Pinselstrichen eine solche Vielfältigkeit hinbekommt.
"Unsere alte Liebe" ist ein weiter Schritt auf dem Weg zu Coppicats Debüt-EP, die wir am 26. März erwarten. Alles deutet auf ein spannendes Album mit einigen Überraschungen hin. Sicher ist nur, dass die Berliner Stadtentwicklung eine Hauptrolle spielen wird.

www.instagram.com/coppicat_music

Kopfschmerz folgt auf Herzschmerz

Man könnte natürlich versuchen, die Schmerzen einer verflossenen Liebe mit Milch zu bekämpfen. Das wird aber wenig wirkungsvoll sein. Alkohol ist eindeutig die bessere Lösung, wenn auch mit Nachwirkungen. Diese Problematik erläutert Eloise ausführlich in ihrem neuen Song "Hungover". Die 21-jährige Britin kommt dabei herrlich unaufgeregt daher. Und so entstand ein sehr schöner Track mit viel Soul und Gefühl.
"Hungover" hat als Basis eine packende Bassline über der Eloise einen Gesang packt, der etwas von Barjazz hat. Denkt man sich die Mörder Bassline weg, wünscht man sich eigentlich nur in verrauchte Kneipen mit der genau richtigen Menge an Licht zurück. Einem angenehmen Pegel an Alkohol im Körper und einer Stimmung zwischen Scheißdrauf und Haudrauf.
Die Atmosphäre hat Eloise bereits mit ihrer Debüt-EP "This thing called living" erzeugt. Mit "Hungover" geht's nun weiter. Das ist vielversprechend und erzeugt Vorfreude auf alles Kommende von Eloise.

www.eloise-music.com

Fettbeatjazz mit Erdbeeren und Sahne

victoriaspongeEin Victoria Sponge Kuchen ist wirklich richtig lecker, wie das Foto erahnen lässt. Da sind sich Victoria Port und Max Wheeler einig. Die beiden Briten haben aber auch einen gemeinsamen Musikgeschmack, dem sie als Pop-Duo Anushka nachgehen, wenn sie ich nicht gerade zum Kuchenessen treffen. Anushka haben ihr Debütalbum "Broken circuit bereits 2014 veröffentlicht und dafür einiges an Lob eingeheimst. Nun haben Victoria und Max bei Tru Thoughts in Brighton unterschrieben und bringen dort die neue Single "You my love" raus.
Der Track strotzt vor Beats, verströmt aber auch eine außerweltliche Atmosphäre. Hier treffen sich Soul, Jazz und pluckernde, quiteschend-piepende Elektronik zu einem unwiderstehlichen Clubsound. "Ich habe mit einem Loop vom modularen Synthie rumgespielt und irgendwie hat das den Song melodisch und harmonisch ins Jenseitige gepusht", erklärt Max Wheeler den besonderen Sound von "You my love".
Dafür war natürlich schnell ein neuer Begriff gefunden und so nennt man Anushkas aktuellen Output Future Soul. Wir dürfen vermuten, dass bald ein Album von Anushka voller Future Soul bei Tru Thoughts erscheint. "You my love" könnt ihr zur Einstimmung darauf hier bereits hören. Gerne auch bei Kaffee und Kuchen.

www.facebook.com/AnushkaUK

Der Norden macht sich Sorgen

Man sorgte sich schon immer in der Historie von Pop und Rock. Durch alle Zeiten und Genres machte man sich Sorgen. Ob David Bowie, Sade, Fela Kuti, Pink Floyd, The National oder Bad Religion. Sie alle haben das Auditorium von ihren dunklen Stunden und Gedanken wissen lassen.
Und nun reihen sich o.k.kuper in diese Tradition ein und machen sich echt "Sorgen". Wann, wenn nicht jetzt, möchte man da sagen. "Sorgen" ist ein echter Lockdown-Song, denn die Vier aus Oldenburg haben sich für die Produktion von Musik und Bild nicht ein einziges Mal getroffen. Unter diesen Umständen ist ein bemerkenswerter Song und Clip entstanden. Von Gitarren getragen, harmoniesüchtig und mit einem vom Rhythmus gestärkten Rücken wie man das von der Band kennt.
"Sorgen" ist leider nicht auf o.k.kupers kommendem Album, das bereits fertig gestellt war, als die Jungs begannen, sich "Sorgen" zu machen. Aus Coronagründen wird das Album aber erst noch einmal zurückgehalten. Aber wenn der Schweinevirus endlich weg ist, dann geht das Ding bestimmt viral.

www.facebook.com/okKuper

Olympyas Drohne und Art. 4 Abs. 3 GG

Letztes Jahr haben wir euch in einer ersten Vorstellungsrunde die Band Olympya als Wiedergänger der Neuen Deutschen Welle präsentiert. In Gedenken an Fehlfarben, DAF und Konsorten. Die neue Single der Hamburger heißt "Drohne" und provoziert gewaltig. Unsere Armeeangehörigen werden darin Computerkiller genannt und nicht nur das. Dadurch wäre "Drohne" zu den damaligen Zeiten der Neuen Deutschen Welle in der BRD total abgefeiert worden von den Kriegsdienstverweigerern und Zivildienstleistenden (bei Unkenntnis bitte Zeitzeugen fragen).

Olympya führen bei "Drohne" Text und Musik zu energetischem Power-Pop der Zwanziger zusammen. Das ist sozusagen neue Neue Deutsche Welle. Der aktuelle Song gehört zum Album "Auto", das am 26. Februar bei Audiolith erscheinen wird.

www.olympya.de

 

Gefährlich blond

Die sehr junge New Yorkerin Blue DeTiger hat im letzten Jahr auf verschiedenen Kanälen massiv Aufmerksamkeit erregt. Ganz aktuell ist ein weiterer Song am Start. "Vintage" atmet den Geist des Prinzen und verzaubert mit einem starken Basslauf im Namen des Groove und Funk. Der Bass ist schließlich die Kernkompetenz der 21-jährigen Blu. Der dazugehörige Clip konzentriert sich aber ebenfalls stark auf die schönen blonden Haare der Frau in silbernen Stiefeln. Schließlich ist Blu DeTiger auch auf den Laufstegen ihrer Heimatstadt unterwegs.
Ob dieses Konzept auf die Dauer aufgeht, erlauben wir uns an dieser Stelle zu hinterfragen. Denn Blu DeTiger hat die entscheidenden Qualitäten an ihrem Haus- und Hofinstrument und könnte sich durchaus darauf fokussieren. Deshalb ist es empfehlenswert, sich das Video zu "Figure it out" anzusehen. Damit hat Blu das erste Mal wesentliche Aufmerksamkeit erzeugt.
Mit dem aktuellen Song "Vintage" gibt Blu jetzt eine Stellenanzeige für ihren Lover auf und dreht damit die üblichen Geschlechterrollen. Damit wird die junge Amerikanerin zum Zeitzeugen für weibliche Selbstbestimmung. Man darf also in vielerlei Hinsicht sehr gespannt sein. Auf Empowerment, topmodische Auftritte, funky basslines und natürlich auf die für 05. März bei The Orchard angekündigte Debüt-EP "How did we get here?" von Blu DeTiger. Wenn dort der Schwerpunkt auf den Bassläufen liegt und nicht auf dem Hairstyling, dann, ja dann könnt ihr euch auf was gefasst machen...

www.bludetiger.com

Über die Mindesthaltbarkeit der Liebe

Singt man wie Buzzy Lee, ruft irgendwann ganz bestimmt irgendjemand: Ah ja, wie Kate Bush! Hat man aber das Klingt-wie abgehakt, entdeckt man Buzzy Lee. Die junge Frau hat für ihr zweites Album "Spoiled love" glitzernde, kleine Songs entworfen, die sich auf das Notwendige konzentrieren. Und das ist nicht nur Buzzys Stimme. Es sind sparsame Beats in Liason mit zurückgenommener Elektronik, immer wieder strukturiert von einen kernigen Piano, das sich wunderschön nach Kneipe Hinterzimmer anhört, und viele andere lovely little details.
Gemeinsam mit dem Produzenten Nicolas Jaar sind die Songs in mehreren Sessions entstanden, wurden auf die Essenz reduziert und faszinieren durch ihre enorme Ausstrahlung. Passend zur Musik seziert Buzzy Lee die Zwischenmenschlichkeit mit schönen Worten. "Spoiled love" ist was für's abendliche Rotweinschwenken und Abschweifen. Das Album von Steven Spielbergs Tochter ist gestern erschienen und offenbart seine Tiefe den Liebhabern der leisen Laute.

www.buzzylee.com

Die Mischung macht's

Als Tochter eines GIs und einer deutschen Mutter mit dänischen Wurzeln wie meine Tante Erna in Bad Nauheim geboren, über Belgien letztendlich in Berlin gelandet. Das ist die sehr kurzgefasste Vita von Désirée Dorothy Mishoe, die heute als May the Muse ihre Debüt-EP "When mercury fades" unter die Leute bringt.
Die vier darauf befindlichen Stücke haben ganz viel Soul in verschiedenster Art und Weise. Als Electro-Ballade "Bruises". Als R'n'B Schmachtfetzen "Private show" oder intensiv-klavierbetont bei "Islands and waves".
May the Muse zeichnet sich auf "When mercury fades" als äußerst stimmbegabt aus, mit einem guten Gefühl für das sentimentale Lied unter Vermeidung übermässiger Seifigkeit. Diese EP ist einfach ein gutes Ding und freut sich sicher, von euch gekauft zu werden.

www.instagram.com/maythemuse

West London calling

Broken Beat war niemals richtig in. Das hat zur logischen Folge, dass Broken Beat (oder cooler: Bruk) nie out war. Anscheinend bis zum heutigen Tag. Deswegen wirkt das neue Material von WheelUP so frisch wie zu Beginn der Bruk-Ära in den 90ern. Danny Wheeler, der als WheelUP sein Debüt-Album "Good love" im April 21 veröffentlichen wird, stammt natürlich aus West-London, dem Epizentrum des Broken Beat. Allein deshalb kann man von ihm Broken Beat Excellence erwarten.
Die ersten Vorabveröffentlichungen bestätigen dies. "Good love" wird die Kennzeichen von Bruk in sich tragen. Die heftig synkopierten Takte, die schon mal nervös machen können, aber schließlich auch das Erfolgsrezept des Reggae waren, vereint mit einer gewissen Jazzästhetik und tollen Souleinflüssen: Das ist "Good love".
Im Track "Stay for long" verbindet sich das perfekt mit dem HipHop des US-Rappers Brint Story und zeigt die bekannte Offenheit des Broken Beat gegenüber vielfältigen Einflüssen. Wir bei unruhr durften bereits in den Titeltrack des kommenden WheelUP-Albums reinhören und können euch deshalb versprechen: Die Veröffentlichung von "Good love" im kommenden April wird ein Highlight!

www.instagram.com/djwheelup

Neue Frauen braucht das Land!

Es muss richtig scheiße sein, wenn man als Frau im Musikbusiness den immer gleichen Vorverurteilungen ausgesetzt ist. Diese Erfahrungen hat lùisa offenbar zur Genüge gemacht. Trotz allem wird die junge Hamburgerin im Mai ihr drittes Album "New woman" bei Nettwerk Records veröffentlichen.
Aus ihren Negativerlebnissen hat lùisa das Beste gemacht: Gute Musik! Das neue Album hat allerlei Popeinflüsse von heute und anno dazumal. Und bei genauer Betrachtung des Clips zum Titelsong wird selbst der Einäugige nicht die Parallelen zu Christine and the Queens übersehen können. Das ist nicht das schlechteste Vorbild für aufstrebende Musikerinnen. Es überrascht also nicht, dass lùisa auf ihrem neuen Album mit geschmeidig-intelligentem Pop aufwartet.
Wir gehen davon aus, dass es bis zum 07.05. weitere Vorab-Veröffentlichungen geben wird. In Erwartung ähnlicher Qualität wie "New woman" werden wir euch bei unruhr rechtzeitig darauf aufmerksam machen.

www.instagram.com/listentoluisa