Mit der Kraft der Natur

Was aussieht wie ein Clip des Naturschutzbundes, ist das aktuelle Video der britischen Band "Ithaca". Das passt zu Mammal Hands, weil sie Songs schreiben, die "Late bloomer" oder "Rhizome" heißen. Die werden auf dem neuen Album von Mammal Hands sein und nicht nicht nur Hobbybiologen begeistern. Jesse Barrett, Nick und Jordan Smart produzieren auch für das inzwischen vierte Album "Captured spirits" großartige instrumentale Sounds im weiten - mit Sicherheit wildblumenbestandenen - Feld von Electronica, Jazz und Klassik.
Auf "Captured spirits" finden sich oft sinnierende, suchende Songs mit bemerkenswerten Melodien und auch vertrackten Arrangements. Dazu brachen die drei Herren aus Norwich meist nicht mehr als Piano, Schlagzeug und Saxofon oder beispielsweise Bassklarinette wie in "Ithaca". Und zeigen damit, dass sie alle Facetten vom Wohnzimmerkonzert bis zum Großbildleinwandkinosound drauf haben. Manches Mal sogar in einem einzigen Song.

Gönnt euch also ein Gläschen Kräutertee, lehnt euch zurück und genießt "Ithaca", damit ihr euch auf das im September bei Gondwana Records erscheinende Album freuen könnt.

www.mammalhands.com

Tatort Münster

Bin mir jetzt gerade nicht sicher, ob es in Deutschland noch eine weitere verbeamtete Stadt gibt außer Münster. Die Band Soeckers kennt das, denn schließlich sind die Jungs Münsteraner. Trotzdem haben sie sich im März für ein sehr lautes Wohnzimmerkonzert in ihrer Stadt entschieden. Das Konzert endete in einem Polizei-Großeinsatz wegen Ruhestörung, und das Videomaterial zum Konzert blieb erst einmal im Asservatenkeller der westfälischen Gesetzeshüter.
Nach vier Monaten hat die Band das Material zurück erhalten und direkt veröffentlicht. Daher ist der Clip zu "Gute alte Zeit" einerseits ein Musikvideo, andererseits aber auch Doku. Daneben ist das schöne Stück Rock'n'Roll die erste Single von Soekers' Debütalbum. Dies wird "Kopfkarussell" heißen und Ende September bei Chateau Lala erscheinen. Wenn es die Münsteraner Polizei vorher nicht beschlagnahmt und der WDR einen Tatort daraus macht.

www.instagram.com/soeckers

Komm schon, Schatzi...

Ein Bruch mit Schatzi und dann mit den Taschen voll Geld über alle Berge. Diese alte, aber immer wieder schöne Geschichte erzählt uns die Band Schatzi in ihrer aktuellen Single "Glock". Der zugehörige Clip besticht durch coole Gangsterromatik, lenkt nicht von den deutlich unterkühlten Sounds ab, die mit ihrer Minimal-Ästhetik überzeugen. "Glock" besitzt eine dominante bassline, das Schlagzeug ordnet sich unter, die Synthies setzen wichtige Akzente und coole Gitarren setzen rechtzeitig ein.
Das ist ultralässiger Pop in deutsch von einer Band, die überkommene Bandstrukturen aufbrechen möchte, ansonsten aber wenig von sich preisgibt. Aber so viel wissen wir schon: Drei Jungs mit gutem Geschmack bereichern die deutsche Popwelt und versprechen uns ihre Debüt-EP "Animalia Parc" für den 23. Oktober.

www.instagram.com/schatziofficial/

In memoriam Fela Anikulapo Kuti

fela kutiHeute vor 23 Jahren starb der vermeintliche Erfinder des Afrobeats: Fela Anikulapo Kuti. Wenige Jahre zuvor spielte Femi Kuti, der bereits damals als Musiker etablierte Sohn, in Dortmund. Es war eine große Party.

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Beat im Birkenholz

Weiß noch jemand, was Kriegsdienstverweigerer waren? Das waren Menschen, die Musik hörten wie sie heute die junge Hamburger Band Deep Dyed spielt. Das ist Lo-Fi für den Lodenmantel, Beat im Birkenholz. Die erste EP von Deep Dyed atmet den Geist der Sixties. Und hey: Guckt da nicht Jim Morrison hinterm Vorhang hervor?
Die drei Jungs und das Hamburger Mädchen Aylin arbeiten mit kräftigen Gitarren voller Melodien und hängen mit ihren Songs immer sehr gekonnt auf der Kante zwischen verträumt und psychedelisch. Leicht schwebend, eine Handbreit über dem Boden so wie es einst Salman Rushdie ein ganzes Buch lang beschrieb.
Die sechs Stücke der EP hören sich in Gesang und Gitarren absolut harmonisch an, obwohl es Deep Dyed tatsächlich erst seit Oktober 2019 gibt. Die EP war schnell aufgenommen, in Eigenregie und innerhalb einer Woche. Da ist aber nichts zusammengeschustert, weshalb das umtriebige Hamburger Label La Pochette Surprise die Band sofort unter die Fittiche nahm.

Deep Dyed veröffentlichen heute die gleichnamige EP bei La Pochette Surprise.

www.instagram.com/deepdyedband

 

Beabadoobee - Schön rotzig

Man muss dieser Musikerin zunächst zu ihrem Namen gratulieren. Es gibt wenige Namen, die so deutlich machen, womit man sein Geld verdient. Als hieße mein Zahnarzt Wurzel B. Handlung. Man kann Beabadoobee aber gleich im Anschluss zu ihrer Musik beglückwünschen. Klasse Gitarrenmusik mit 90er Touch und hohem Shoegaze-Verdacht.
Dazu passt der Auftritt der jungen Britin perfekt, die ihr Image als Rotzlöffel hegt und pflegt. Das ist ein stimmiges Gesamtbild, dass sich auch im kommenden Debütalbum von Beabadoobee manifestiert. "Fake it flowers" heißt es und wird auf jeden Fall noch 2020 bei Dirty Hit Records erscheinen.
Doch was heißt schon Debütalbum. Trotz ihrer erst 20 Jahre hat Bea bereits eine beachtliche Karriere. Da stehen drei EPs und eine ausverkaufte Headliner-Tour, dazu eine Nominierung bei den Brit Awards als "Risng star". Das ist mehr als Vorschußlorbeeren. Denn die Frau zahlt auch zurück. Der erste Track aus dem kommenden Album ist ein echtes Brett, das zeigt: Unterschätzt Beabadoobee mit ihrer netten Stimme keinesfalls!
"Care" dürft ihr heute ab 21.00 Uhr in einer YouTube's Red Carpet Premiere mit Live-Übertragung von Bea zum ersten Mal hören.

wwww.soundcloud.com/beabadoobee

Foto: Callum Harrison