Ich geb Gas, ich will Spaß

Auch wenn das Debütalbum von Olympia "Auto" heißen wird, ist das oben genannte Zitat aus einem NDW-Klassiker keineswegs das Motto der Band. Olympia hat zwar unverkennbar Elemente der Neuen Deutschen Welle im Sound. Doch soll das auf keinen Fall an Markus oder Fräulein Menke erinnern, diesen Songs aus dem "Schreckens-Ghetto jener entsetzlichen NDW-Ü-50-Partys",wie die Hamburger meinen.
Die Band orientiert sich mehr an dem damaligen Output von Extrabreit, oder auch Grauzone und Fehlfarben. Dieser Sound wird von den Jungs geschickt getuned und auf das Niveau von 2020 gehoben. Daher sind Olympya Songs moderne Popmusik, die vermutlich nur die gebrechlichen 50er an die NDW erinnert, wenn sie im SUV zu einer der schrecklichen Partys fahren.

Das Debüt "Auto" erscheint im Februar 2021 bei Audiolith. Also, schreib dein Leben auf ein Stück Papier und warte bis die Zeit vergeht.

www.olympya.de

Ist das schön!

Fast tut es körperlich weh. Es entfahren einem tonnenweise Stoßseufzer beim Betrachten des Clips zum neuen Song von Dope Lemon. Gemeinsam mit Freunden, Sommer am See, Bier und Sonne. Das gibt es tatsächlich noch?
Dazu serviert Dope Lemon ein schmachtendes Stück Soul über Verlieben und Verliebtsein. Meine Güte, alles so lang her..."Kids falling in love" ist vielleicht der Silbersreif am Horizont dieses seltsamen Jahres. Vier Minuten des Vergessens auf einer Seebühne, die ihren Namen wirklich verdient.
Der Mann ist offensichtlich voller Hoffnung, denn zur Veröffentlichung der neuen Single gibt er drei Live-Termine in Deutschland für das kommende Jahr bekannt. Mensch, das wär's...Sollte es im Juni tatsächlich so weit kommen, geben wir natürlich rechtzeitig Bescheid.

www.dopelemon.com

Müssen wir wieder Häuser besetzen?

Rafael Triebel wohnte und arbeitete einst in der Coppistraße in Berlin-Lichtenberg. Bis man ihn dort rauschmiß. Dieses Gentrifizierungserlebnis am eigenen Körper hat Triebel nun in seinem ersten Song unter dem Namen CoppiCat verarbeitet. "In der Coppistraße" ist ein bitteres, ein wütendes Stück, das vom Schlagzeug unermüdlich angetrieben wird.
Dabei hört sich der Song manchmal an, als wäre CoppiCat gleichzeitig auch copycat. "In der Coppistraße" erinnert phasenweise immer wieder an den Output des Hamburgers ClickClickDecker oder auch an die Lyrik eines PeterLicht. Was doch ganz gute Referenzen sind...
Die Single ist das erste Ding aus der für's kommende Frühjahr geplanten EP. Davor wird noch eine weitere Single von CoppiCat erscheinen. Das alles bei CoppiCat Records. Das wird richtig gut, macht euch keinen Kopp!

www.instagram.com/coppicat_music

Welche Pracht!

Die Communions aus Kopenhagen sind seit längerem fester Bestandteil der dänischen Musikszene. 2014/15 gab es zwei EPs, 2017 dann das Album und jetzt erneut neues Material. Die Single "Splendour" wartet mit prachtvollen GItarren auf, die auch mal durch den Vocoder gejagt werden, und dazu mit einem Killer-Refrain. Die Band der beiden Brüder Rehof verbindet Gitarrenpop und Indie mit Oberstufen-Punk. Das hat phasenweise Retrocharme, zeigt sich aber in weiten Teilen sehr vielseitig.
Die Communions sind nun beim Label Tambourhinoceros untergekommen und versprechen uns ein neues Album für den Jahresbeginn 2021. Mads und Martin werden live von drei Kumpels unterstützt und hoffen natürlich, das neue Album in der Besetzung im neuen Jahr auch leibhaftig der Welt vorstellen zu können.

www.instagram.com/communions.band

Weit und breit kein Pferd auf dem Flur

Es sind eher die ganz kleinen, filigranen Wesen, die Martin Kohlstedts neues Album "Flur" bevölkern. Feine Musik, spinnwebengleich, pure Melodien, Piano solo. Kohlstedt hat die 10 Stücke des Albums auf verschiedenen Klavieren eingespielt und tatsächlich nur auf diesen. Für die Live-Aufnahmen hat er die Instrumente auf Balkon, im Flur, am Strand, in seiner Weimarer Wohnung oder inmitten einer Wiese plaziert, wodurch etwas wie field recordings hinzukommt, so dass sich Wind und Vögel organisch einfügen in die Kompositionen.
"Flur" ist daher ein sehr mutiges Album geworden. In Zeiten, in denen die Bässe aus jeder Karosse wummern und besonders Lautstärke sich Gehör verschafft. Und selbst Neoklassiker wie die Grandbrothers oder Poppy Ackroyd sich elektronischer Unterstützung bedienen. Ein Album wie "Flur" nennt man wohl gern ein Statement, aber vielleicht ist es einfach die Lust am Innehalten, am Durchatmen, die Martin Kohlstedt zur Produktion bewogen hat.
Heute erscheint "Flur" bei Warner Classics. Bitte tief Luft holen, genau hinhören und scharf nachdenken, ob das staubige Klassik oder frischer Pop ist.

www.martinkohlstedt.com

Feinkost aus dem Musikfachgeschäft

Heute erscheint "Salute to the sun". Das ist das aktuelle Album der neuen Band von Matthew Halsall. Matthew gründete 2008 das sehr exquisite Label Gondwana Records, ist aber auch als Trompeter äußerst renommiert.
Mit Matt Cliffe (Flöte, Saxofon), Maddie Herbert (Harfe), Liviu Gheorghe (Klavier), Alan Taylor (Schlagzeug), Jack McCarthy (Percussion) und Gavin Barras (Bass) hat Halsall ähnlich qualifizierte Mitstreiter für sein neues Projekt gefunden. Die Sieben aus Manchester produzieren feinste analoge Jazzklänge über die sich besonders Inhaber schöner Stereoanlagen mit klangstarken Standboxen freuen dürften. Aber auch alle anderen muss man "Salute to the sun" ans Herz legen. Auch wenn die Querflöte und die Harfe manchmal doch an Grimms Märchenwald erinnern.
Ansonsten finden sich auf dem Album des britischen Trompeters traumhafte Kompositionen, ausgekügelte Arrangements und brillante Leistungen an allen Instrumenten. Exemplarisch sei hier das 11-minütige Titelstück genannt mit einem wunderschönen Saxophon von Matt Cliffe.
In sieben Stücken bieten die sieben Musiker eine Stunde Hörgenuss aus der musikalischen Feinkostabteilung.

www.matthewhalsall.com