Über die Mindesthaltbarkeit der Liebe

Singt man wie Buzzy Lee, ruft irgendwann ganz bestimmt irgendjemand: Ah ja, wie Kate Bush! Hat man aber das Klingt-wie abgehakt, entdeckt man Buzzy Lee. Die junge Frau hat für ihr zweites Album "Spoiled love" glitzernde, kleine Songs entworfen, die sich auf das Notwendige konzentrieren. Und das ist nicht nur Buzzys Stimme. Es sind sparsame Beats in Liason mit zurückgenommener Elektronik, immer wieder strukturiert von einen kernigen Piano, das sich wunderschön nach Kneipe Hinterzimmer anhört, und viele andere lovely little details.
Gemeinsam mit dem Produzenten Nicolas Jaar sind die Songs in mehreren Sessions entstanden, wurden auf die Essenz reduziert und faszinieren durch ihre enorme Ausstrahlung. Passend zur Musik seziert Buzzy Lee die Zwischenmenschlichkeit mit schönen Worten. "Spoiled love" ist was für's abendliche Rotweinschwenken und Abschweifen. Das Album von Steven Spielbergs Tochter ist gestern erschienen und offenbart seine Tiefe den Liebhabern der leisen Laute.

www.buzzylee.com

Die Mischung macht's

Als Tochter eines GIs und einer deutschen Mutter mit dänischen Wurzeln wie meine Tante Erna in Bad Nauheim geboren, über Belgien letztendlich in Berlin gelandet. Das ist die sehr kurzgefasste Vita von Désirée Dorothy Mishoe, die heute als May the Muse ihre Debüt-EP "When mercury fades" unter die Leute bringt.
Die vier darauf befindlichen Stücke haben ganz viel Soul in verschiedenster Art und Weise. Als Electro-Ballade "Bruises". Als R'n'B Schmachtfetzen "Private show" oder intensiv-klavierbetont bei "Islands and waves".
May the Muse zeichnet sich auf "When mercury fades" als äußerst stimmbegabt aus, mit einem guten Gefühl für das sentimentale Lied unter Vermeidung übermässiger Seifigkeit. Diese EP ist einfach ein gutes Ding und freut sich sicher, von euch gekauft zu werden.

www.instagram.com/maythemuse

West London calling

Broken Beat war niemals richtig in. Das hat zur logischen Folge, dass Broken Beat (oder cooler: Bruk) nie out war. Anscheinend bis zum heutigen Tag. Deswegen wirkt das neue Material von WheelUP so frisch wie zu Beginn der Bruk-Ära in den 90ern. Danny Wheeler, der als WheelUP sein Debüt-Album "Good love" im April 21 veröffentlichen wird, stammt natürlich aus West-London, dem Epizentrum des Broken Beat. Allein deshalb kann man von ihm Broken Beat Excellence erwarten.
Die ersten Vorabveröffentlichungen bestätigen dies. "Good love" wird die Kennzeichen von Bruk in sich tragen. Die heftig synkopierten Takte, die schon mal nervös machen können, aber schließlich auch das Erfolgsrezept des Reggae waren, vereint mit einer gewissen Jazzästhetik und tollen Souleinflüssen: Das ist "Good love".
Im Track "Stay for long" verbindet sich das perfekt mit dem HipHop des US-Rappers Brint Story und zeigt die bekannte Offenheit des Broken Beat gegenüber vielfältigen Einflüssen. Wir bei unruhr durften bereits in den Titeltrack des kommenden WheelUP-Albums reinhören und können euch deshalb versprechen: Die Veröffentlichung von "Good love" im kommenden April wird ein Highlight!

www.instagram.com/djwheelup

Neue Frauen braucht das Land!

Es muss richtig scheiße sein, wenn man als Frau im Musikbusiness den immer gleichen Vorverurteilungen ausgesetzt ist. Diese Erfahrungen hat lùisa offenbar zur Genüge gemacht. Trotz allem wird die junge Hamburgerin im Mai ihr drittes Album "New woman" bei Nettwerk Records veröffentlichen.
Aus ihren Negativerlebnissen hat lùisa das Beste gemacht: Gute Musik! Das neue Album hat allerlei Popeinflüsse von heute und anno dazumal. Und bei genauer Betrachtung des Clips zum Titelsong wird selbst der Einäugige nicht die Parallelen zu Christine and the Queens übersehen können. Das ist nicht das schlechteste Vorbild für aufstrebende Musikerinnen. Es überrascht also nicht, dass lùisa auf ihrem neuen Album mit geschmeidig-intelligentem Pop aufwartet.
Wir gehen davon aus, dass es bis zum 07.05. weitere Vorab-Veröffentlichungen geben wird. In Erwartung ähnlicher Qualität wie "New woman" werden wir euch bei unruhr rechtzeitig darauf aufmerksam machen.

www.instagram.com/listentoluisa

Wir werden sehen

Vor nahezu sechs Jahren warteten die Grandbrothers mit einem ganz eigenen Sound auf. Der Ursprung ist ein präparierter Flügel, der es Lukas Vogel ermöglicht, über den PC ebenfalls auf die Saiten des Instruments zuzugreifen, welche von Erol Sarp ganz klassisch über die Tasten bedient werden. Dadurch entlocken die Beiden dem Klavier völlig neue Klänge. Ein Ansatz, der meines Wissens bis heute einzigartig ist.
Das setzte sich mit dem Album "Open" fort und nun, nach langen vier Jahren, erscheint morgen das dritte Album "All the unknown". Sarp und Vogel versprechen, in den neuen Stücken auch andere Wege einzuschlagen und Unerwartetes zu probieren. Das Titelstück gibt darauf einen Hinweis. Es scheint, das Duo bewegt sich hinaus aus der Ecke Neoklassik, in der sie sich sowieso nie derart heimisch fühlten wie früher in Bochum. "All the unknown" ist für 4:30 sehr electropoppig, was sich bei früheren Stücken bereits unterschwellig andeutete. Hier wird offensichtlich der Anspruch untermauet, den die Grandbrothers seit jeher formulierten: Ihre Musik nicht nur sitzend zu genießen, sondern auch gerne tanzend.
Dagegen wird mit der zweiten Vorab-Veröffentlichung "What we see" mehr der gewohnte Grandbrothersgeschmack bedient. Wir werden also sehen, was genau uns morgen auf dem Plattenteller serviert wird.

www.grandbrothersmusic.com

...und der Hauthobel macht schubbischubbi

"Seggencheck" heißt so, weil damit unser Zeckencheck gemeint ist. Jetzt werden einige von euch klarer sehen. Oder auch nicht. Aber ist nicht schlimm, Denn schließlich reden wir an dieser Stelle vom DJ Hornhaut. Der Junge ist bekannt für verquere Beschreibungen von Alltäglichkeiten. So ist das auch bei "Seggencheck", das einen mit der Frage zurücklässt, ob es sich hier um Dadaismus für Beamtete oder um einen Sozialkompetenztest für Fußpfleger und Innen handelt.
Denn wer sind denn Anna und Artur? Und was passiert wirklich mit Scherben im Kasettendeck und unserer Panik im Hackysack?
Trotz all dieser Fragen bleibt aber ganz klar, dass DJ Hornhaut mit "Seggencheck" eine weitere Hymne für die Tanzfläche erschaffen hat. Was zeigt, dass das inzwischen sechste Album "Lass gut sein" voller Clubsound ist, selbst wenn es manchmal nach Punk oder auch nach schlechtem Schlager klingt. Deshalb hört nicht auf den DJ und schmeißt bitte nicht die Tanztabletten ins Klo.

www.facebook.com/djhornhaut