Bleib zuhaus, fuzz mich nicht an!

Das ist keine Strandmusik, was Bikini Beach machen. Wer dazu einen lauwarmen Cocktail schlürfen möchte, dem wird das Glas aus der Hand fallen. Denn die Band aus Konstanz hat sich voll und ganz dem Andenken des Fuzz-Rock verschrieben. Es ist dieser schön verzerrte Gitarrensound, der das neue Album "Atoll" prägt, das am 11. September bei La Pochette Surprise erscheinen wird.
"Atoll" zeigt Keith Richards wo der Hammer hängt. Das "Atoll" ist so voller Riffs und Delays, dass Richards jetzt endlich besser in Rente geht. Wechselnde Leadvocals tragen ihren Teil dazu bei, dass Bikini Beach wahnsinnig vielseitig klingen. Deshalb machen die zwölf Stücke auf "Atoll" richtig Spaß und keine Gefangenen. Was die jetzt gerade erschienene Single "Stay at home" doch wohl beweist.
Dann jetzt in die Lederbadehose und ab zum Bikini Beach.

www.fuzzmehard.com

Kleine Archivkammermusik am Schreibtisch

sudan archives1Wer das Glück hatte, das Kölner Konzert von Sudan Archives im letzten November zu bestaunen, wie es sich zunächst ein wenig über die Zeit schleppte bis die junge Amerikanerin das Publikum mit ihrer Violine und Effektgeräten aus der Halle blies, darf sich einen zwölfminütigen Clip nun nicht entgehen lassen.
Das National Public Radio (NPR) in Washington D.C. hat mit Sudan Archives eines der coolen Tiny Desk Concerts veranstaltet - übrigens das letzte vorm Corona-Lockdown - und Sudan aka Miss Parks hat sich dafür etwas Besonderes einfallen lassen. Sie performte drei ihrer Songs mit Unterstützung eines kleinen Streicherensembles. Mit Bratsche, Cello und Geigen bekommen die sonst R'n'B gesteuerten Songs einen völlig neuen Touch, der irgendwo zwischen irischem Folk und afrikanischem Blues treibt.
Das ist schwer beeindruckender Soul vor Bücherregal mit desinfizierter Kaffeetasse und hier zu sehen.

www.sudanarchives.com

Foto: Alex Black

 

Everybody loves the jazz, oder?

Wer liebt nicht den Sonnenschein? Haben sich auch Adrian Younge und Ali Shaheed Muhammad gedacht, und vor zwei Jahren die Jazz-Legende Roy Ayers - den Schöpfer von "Everybody loves the sunshine" - in ihre Linear Labs Studios in Los Angeles eingeladen. Dabei entstand das jetzt erschienene Album "Roy Ayers Jazz is dead 002". Eine Remineszenz an das Lebenswerk des Jazz-Vibraphonisten Ayers. Younge und Muhammad haben Roy Ayers dafür acht Stücke auf den Leib geschrieben und niemand wird prüfen können, wie groß der Anteil von Roy Ayers daran tatsächlich war. Zumindest ist sein Vibraphon-Spiel bei Titeln wie "Solace" nicht zu überhören.
Davon abgesehen, ist das Album ein starkes Statement des Neo-Jazz und Neo-Soul in Retro-Manier. Manch einer wird sich an Ayers klassische Periode in den 70ern erinnert fühlen, andere werden das für völlig überhöht halten. Also für alle etwas dabei. Ein gekonntes Werk mit Facetten.

www.jazzisdead.co

Guck dich doch mal an!

Aus der Krise erwächst doch manch Spannendes. Das Wiener Duo Oehl konnte die Songs ihres im Januar erschienenen Debütalbums wegen des Kackvirus' nicht live unter die Leute bringen. Deshalb haben Ariel Oehl und Hjörtur Hjörleifsson zumindest die neuen Songs auf die Reise geschickt. Oehl-Fans sind aufgerufen, sich das Liederbuch des Albums "Über Nacht" auf der homepage der Band zu besorgen und ihre eigenen Versionen einzuspielen.

Parallel dazu haben sich bereits sieben befreundete Artists für das von Oehl "Im Spiegel" betitelte Cover-Projekt ins Zeug gelegt. Wie beispielsweise Culk mit einer rauen Version von "Tausend Formen". Die EP mit den Coverversionen der Profis wird am 31. Juli erscheinen. Und ihr macht euch jetzt mal schlau auf www.oehlmusic.com, wie das jetzt genau geht mit der Verson eures Lieblingsliedes von Oehl.

Go Nils, go!

Nach "Up" und "On" kommt nun "Go". Das neue Album des Trompeters Nils Wülker, welches er uns für Anfang September avisiert. War "On" deutlich HipHop-lastig, bietet der Münchner 2020 gepflegte Elektronik an. Wülker experimentiert mit Sounds und Synthies, Loops und Beats, die sein Trompetenspiel untermalen. Da beißt die Maus natürlich keinen Faden ab, dass die Trompete weiterhin im Mittelpunkt steht. Wie beispielsweise auf dem Stück "Blow up", für das der passionierte Bergsteiger und "Fachleiter für Hochtouren" des Deutschen Alpenvereins sage und schreibe 29 Trompetenspuren aufgenommen und zusammengebastelt hat.
Nils verspricht uns auf "Go" direkte und dynamische Trompetensounds, die maßgeblich von seinem zwischenzeitlichen Live-Album "Decade" inspiriert sind. Der erste Beweis dafür ist die dramatische Single "The you of now", bei der er eine Bassline einsetzt, die vom Klavier kommt. "Go" und den September kann man also mit Spannung erwarten.

www.nilswuelker.com

Dote - Unser neuer Schwarm

Viel zu selten kann unruhr Unruhestifter aus dem Revier vorstellen. Jetzt sind wir glücklicherweise auf Dote aus Essen aufmerksam geworden. Die vier Jungs haben sich völlig unspektakulär im Schulchor kennengelernt und bereits kurz nach der Bandgründung 2017 die EPs "North" und "Centre court" aufgenommen. Dote stehen für schöne Indie-Popsongs mit prägnanten Gitarren, einprägsamen Melodien und leichtem Retrocharme.
Auch das neueste Stück "Liar" haut in diese Kerbe. Ein bissiger Song über das vermutlich ergiebigste Popsongthema: Das Verlassenwerden. Aus dieser seltsamen Stimmung zwischen sterbensgleicher Traurigkeit und alkoholgeschwängerter Wut sind unzählige große Songs hervorgegangen. "Liar" setzt die Linie fort mit rumpelndem Bass, quengelnden Synthies, sägenden Gitarren und extremer Tanzbarkeit.

Damit haben es Dote nun bis nach Hamburg zu Chateau Lala geschafft und somit hoffentlich den Grundstein gelegt, unsere neue Pophoffnung aus dem Pott zu sein.

www.dotemusic.com