Wenn Fische singen

Vor langer Zeit entsprang der deutschen Musik-Ursuppe die hochentwickelte Spezies der Elektronikbands. Kraftwerk, Tangerine Dream oder Einzelgänger wie Klaus Schulze erreichten mit ihrem damaligen Output eine internationale Reputation wie sie deutsche Rockmusiker bis dahin nicht kannten.
Newmen nimmt sich diesem Erbe an ohne versuchen zu wollen, in die doch sehr großen Schuhe von Hütter, Schneider, Bartos und Co. zu schlüpfen. Dennoch ist die Musik der Frankfurter Band deutlich an dem damaligen Klang orientiert. Newmen erweitern den Sound jedoch mit verhallten Gitarren. Der neue Song "No tricks with the ocean" ist das neueste Material der 2012 gegründeten Band und offensichtlich klimawandelinspiriert. Sieben Minuten lang entwickelt der Song Synthieflächen und Gitarrenechos über einem steten Elektrobeat. Eine schöne Symbiose aus Gestern und Heute.

www.newmenband.com

Bass culture

Heute legt Blu DeTiger endlich ihre 7-Track-EP „How did we get here“ vor. Wir haben das Werk mit Spannung erwartet, nachdem erste Singles der EP die Runde machten.
Und: Das Warten hat sich gelohnt. „How did we get here“ ist krass funky, voller Seele und unfassbar cool. Die fulminanten Basslines der jungen New Yorkerin retten jeden Track, der in eine zu große Popnettigkeit abzudriften droht.
Das kleine Album bietet saftige Discobeats und schöne Midtempo-Mitwipper. Selbst das zweiminütige Instrumental „Disco banger but you're in the bathroom“ findet einen passenden Platz. Und wenn "Toast with the butter" nicht für die sofortige Auferstehung von Prince sorgt, fress' ich einen Besen. Mit Stiel. Das ist astreine Vielfalt, die dazu führt, dass die Enttäuschung nach sieben Stücken riesig ist, weil es schon vorbei ist.
„How did we get here“ ist eine echte Ansage der 21-jährigen Bassfrau, die hoffentlich nicht nur große Klappe ist, sondern lange nachhallt.

www.bludetiger.com

Beats von BRKN

Dieser Rapper ist gelernter Saxophonist, Klavierspieler und wurde bereits von Herbert Grönemeyer engagiert. BRKN verbreitet positive Vibes und seit seinem überaus erfolgreichen Album „Einzimmervilla“ liegen ihm die Massen zu Füßen und füllten so lange es noch ging die Hallen für den Typen aus Kreuzberg. Respektive für Herbert, dessen Vorprogramm BRKN 2018 und 2019 bestritt.
Jetzt kommt der 30-jährige mit neuem Material um die Ecke. Das neue Album heißt „Drama“ und ist auch so. War der bisherige Output von BRKN eher am Deutschrap der 90er orientiert, wird es nun dunkler in Kreuzberg. „Drama“ erzählt von Trennung und Schmerz und von Trennungsschmerz. Der junge Erwachsene kombiniert dazu andere Töne als bisher.
Dafür ist die erste Single „Jede Nacht“ beispielhaft. Dicke Beats, dicke Probleme, dunkle Nächte. „Drama“ erscheint im kommenden April.

www.instagram.com/deinbrkn

Grüntee trinken und auf's Debütalbum warten

Greentea Peng beweist mit der aktuellen Singleauskopplung "Nah it ain't the same" einmal mehr ihre Vielseitigkeit. Sie hat uns bereits mit Reggae verwöhnt und mit Soul beeindruckt. Nun kombiniert die Londonerin einen herrlich analogen HipHop Beat mit Jazz, feinen Keyboardpassagen und Anklängen von Drum & Bass. Das ist eine äußerst aufregende Kombination aus frischen Beats und einer angenehmen Verstaubtheit.
Darüber hinaus gibt der zugehörige Clip einen Einblick in den Corona-Alltag von Greentea Peng zwischen Grüntee, Granatapfel und großen Zigaretten. Alles zusammen genommen steigert es immens die Vorfreude auf das Debütalbum der Frau. Leider gibt es noch keine konkrete Zeitplanung für das Erscheinen von "Man made". Es heißt also Tee trinken und warten. Angepeilt ist der kommende Sommer. Das sind Aussichten: Sommer, Greentea Peng und kein Corona mehr...es wäre ein Traum!

www.instagram.com/greenteapeng

Auf festem Grund mit dem Kopf in den Wolken

Es hallt und schwingt, glockenhell klingt das zweite Album von Tash Sultana. Es ist eine Arbeit geworden über die Selbstfindung und deren Umsetzung in Musik. Tash, diese non-binäre Person ist jetzt 25 und hat vor vier Jahren ein vielbeachtetes Debüt abgeliefert, welches gekennzeichnet war von Tashs Gitarre in geloopten und gelayerten Jams.
Das neue Album "Terra firma" besteht ebenfalls aus sehr vielen Layern, hat aber phasenweise auch Bandcharakter, denn schließlich sind auch andere Musiker neben Tash Sultana am Werk. Und abseits der großen Echokammer, durch die "Terra firma" offenbar geschickt wurde, entstehen manches Mal beindruckende Soul- und Jazz-Momente. Ein schönes Beispiel dafür ist der Song "Pretty lady", der in der Albumversion schlussendlich doch im schwelgend-sphärisches Klingen endet.
Hier grüßt Esoterik die Traumwelten. Liebe, Leben und Tod geben sich bei den Songs die Klinke in die Hand. Kirchenorgel meets funky bassline. Im Mittelpunkt steht der Mensch Tash Sultana, dem nun sonnenklar ist, woher er kommt, wer er ist und wohin die Reise gehen soll. "Terra firma" ist das Album eines/einer selbstbestimmten Künstler*in im Vertrieb der Sony Music Entertainment Group.

www.tashsultana.com

Lady Gasoline ist die Disco-Queen

Das Hamburger Duo Castillo hat im letzten September mit der Debüt-Single "Havana" bewiesen, dass sie ein Händchen für Songs haben, die eingängig und zugleich anspruchsvoll sein können.
Das setzt Castillo nun mit "Lady Gasoline" fort. Der neue Song ist großartig arrangiert, so dass man beim ruhigen Piano-Intro nicht ahnt, dass einem der Song am Ende ordentlich den Kopf gewaschen hat. Und das nicht nur musikalisch. Dazu ein sehr durchdachter Clip, der viele Andeutungen zu einer klaren Botschaft formt.
Es ist wirklich sehr schwer, sich dem Drive von "Lady Gasoline" zu entziehen. Nach dem sehr souligen "Havana" haben die Jungs jetzt noch einmal eine Schüppe draufgelegt und die Spannung auf das hoffentlich bald erscheinende Debüt-Album deutlich erhöht.

www.facebook.com/musikvoncastillo