Kein Kokolores

kokoroko could we coverJust in der Woche, in der sich der Todestag eines Giganten der afrikanischen Musik zum 25. Mal jährt, veröffentlicht die britische Band Kokoroko ihr Debütalbum. Das ist deshalb erwähnenswert, weil Kokoroko die Wurzeln der Band und einiger Mitglieder in Nigeria verortet.
Die Gemeinsamkeiten von Kokoroko und Fela Kuti erschöpfen sich aber bereits in diesen Fakten, die möglicherweise dem Zufall geschuldet sind. Musikalisch sind sich Kokoroko und Fela nicht wirklich nah. Das englische Kollektiv um Bandleaderin Sheila Maurice-Grey verbindet afrikansiche Sounds deutlich mehr mit Soul, Funk und karibischen Einflüssen als der Übervater es tat. Insofern ähneln Kokoroko mehr einer anderen Afrobeat-Legende, nämlich dem Kameruner Manu Dibango. Oder wie Sheila kundtut:"Jeder von uns hat völlig verschiedene Hintergründe, aber was uns vereint als Kokoroko, ist dass wir alle eine ähnliche Liebe und Verehrung für Afrobeat und Highlife haben."
Das hört man dem heute veröfentlichten Debütalbum "Could we be more" deutlich an. Es ist eine sehr organische Bandarbeit des englischen Achters, die im großen Raum zwischen Highlife und Jazz vibriert. In manchen Teilen etwas zu brav, andernorts aber absolut mitreißend. Und immer von allerbester Soundqualität.

www.kokorokomusic.co.uk

In memoriam Fela Anikulapo Kuti

fela kutiHeute vor 25 Jahren starb der vermeintliche Erfinder des Afrobeats: Fela Anikulapo Kuti. Wenige Jahre zuvor spielte Femi Kuti, der bereits damals als Musiker etablierte Sohn, in Dortmund. Es war eine große Party.

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4630 oder 447irgendwas?

Dort draußen gibt es jemanden, der anscheinend kein Problem damit hat, in die Fußstapfen der Legende Grönemeyer zu treten. Er heißt Marlon Hammer und wurde als Straßenmusiker entdeckt in der Bochumer Kortumstraße, auf der ebenfalls keine Modenschauen stattfinden.
Marlon wird dieses Jahr erst 18, hat aber bereits einige Jahre als Musiker auf dem Buckel. Nun steht er vor der Veröffentlichung seiner Debüt-EP im Oktober, die den vielleicht etwas großspurigen Titel "Bochum 2" tragen wird. Aber hört man die erste Single des Bochumer Jungen, kann man sich nicht mehr sicher sein, ob "Bochum 2" dicke Lippe ist oder doch ein echtes Pfund. Marlon beweist mit "Hintern den Mauern" sein Händchen für leicht schräge Lyrics in Herbert-Manier. Es gehe schließlich um die „neue Generation von einem, der nachdenkt über seine Texte“, sagt Marlon dazu.
Dazu kommt ein sehr gewitztes Arrangement des Songs, das sehr pointiert, aber dennoch schön ungeschliffen daher kommt. Und der Clip auch noch im Bochumer Union Kino aufgenommen. Puh, einmal kurz durchatmen: Sollte das verkackte Bochum tatsächlich noch einmal einen großen Musiker hervorbringen?

www.instagram.com/marlonhammer

So schön einsam

rhi nocturnes coverEs verwundert, dass Rhi nicht längst eines ihre Werke "Nocturnes" genannt hat. Die Kanadierin hat das Vertonen nächtlicher Stimmungen zu ihrem Markenzeichen gemacht, seit sie 2018 ihr erstes Album veröffentlichte.
Jetzt folgt auf das zweite Album "The pale queen" eine EP mit dem angesprochenen Trademark-Titel "Nocturnes". Und wieder treibt Rhi ihr Spiel mit der elegisch-schmerzhaften Nachtstimmung, die befeuert wird durch die private Situation der Frau nach Beendigung einer langjährigen Beziehung. Klare, träge Beats mit Fingerzeigen in Richtung HipHop und Trap verschneidet Rhi mit kleinen, feinen Keyboardmelodien und ihrem zurückgenommen Gesang, der manchmal wirkt wie Rezitation.
Das ist die großartige Wirkung einfachster Stilmittel. Ich denke, ich stelle mir den Wecker auf 3 und fahr mit dem Auto durch die leere Stadt. Wozu passt "Nocturnes" besser?

www.rhimusic.bandcamp.com

Multinational music

Ihr kennt das: Du bist der Meinung, dass die Musik, die du gerade hörst, das Nonplusultra ist und niemand auf den Gedanken kommen könnte, das sei nicht so. Und dann sagt dir jemand ins Gesicht, wie scheiße er diesen Sound findet. Das kann doch nicht sein. Genau wird es auch mit dem neuen Album von Jitwam sein. "Third" kommt morgen auf den Tisch und ist derart maximal lan, lit, krass oder cool. Aber ich hör jetzt schon, wie jemand in die Suppe spuckt.
Dabei ist "Third" mega funky, der Sound für deine Party oder deine Kopfhörer, denn es macht vor keinem Einfluss halt. Da gibt es Funk und Soul, Latin und Disco. Traditionelle Jazz-Einflüsse stehen neben aktuellster Elektronik. Der Opener "India" spult dich zurück zu Michael Jacksons "Wanna be startin' something", und könnte hinter "Equaminity" nicht auch feat. Erykah Badu stehen? "Hey Papi" kombiniert Soul mit verzerrten Gitarren und am Ende zelebriert Jitwam ein "Maryjane" das der gleichnamigen Freundin von Rick James in nichts nachsteht.
Was ein Hammer-Album! Und wehe, jemand behauptet anderes.

www.jitwam.com

Kutimans Fernsehballett

Als ich nun von Kutimans neuer Single hörte, fiel mir auf, dass die ersten Einträge von Kutiman in meiner Audiothek bereits von 2007 sind. Der Mann ist lange im Geschäft und begeistert weiterhin mit seiner speziellen Art souliger Sounds.
Die neue Single "My everything" überzeugt mit viel Groove, einem satten Soulgefühl und verbindet Sounds, die in anderem Kontext vielleicht eher peinlich wären. Es ist wieder einmal eine Neuinterpretation des eklektischen, groovigen Sounds von Kutiman.
Wirklich erstaunlich, was Kutiman beim Müllrausbringen nebenbei abliefert. Gut, dass der Typ seinen neunjährigen Rückzug in einen Kibbuz in der Negev-Wüste beendet hat und jetzt wieder in aller Öffentlichkeit kleine Meisterwerke erschafft. Dementsprechend heißt das kommende Album "Open" und soll im September bei Siyal Music erscheinen.

www.kutiman.bandcamp.com