Pop aus der Dachstube

 "Ich meine, die Beatles waren für mich die ultimative Band", sagt Shelterboy und denkt an die Zeit zurück, als er auf dem Dachboden seiner Eltern Musik hörte. Die Zeiten liegen noch nicht soo lang zurück und das hört man Shelterboys Musik an.
Das ist Pop. Lupenrein, wohltemperiert und durchdacht. Schöne Songs mit wichtigen Botschaften, die aus vielen Einflüssen des Indie-Pops entstanden. Tatsächlich braucht man ein großes Talent in diesem Genre, um Songs poppig, aber nicht seicht klingen zu lassen.
Shelly hat offensichtlich dieses Talent, wie die Stücke seines Ende April erscheinenden Albums "Mercyland" zeigen. "Your favourite song" ist einer der Songs von "Mercyland", die direkt vom elterlichen Dachboden zu kommen scheinen. Ausgewählte Pop-Zutaten, nicht überfrachtet und ein wenig britisches Flair und zack: Bleibt der Song im Hirn hängen.

www.shelterboy.com

 

0,02 g Kaffeepulver pro Stream

Es gab mal Zeiten, in denen musizierende Menschen durchaus von ihrer Kunst leben konnten. Das ist in der heutigen Zeit schwieriger. Jeder von uns hat tausende Songs im Telefon, aber zahlt dafür fast nichts. Und so kommt bei unzähligen Bands nur so viel an, dass es für 0,02 g Kaffepulver reicht. Deshalb laden euch Kapa Tult auch nur auf einen "1/2 Capuccino" ein.
Die Band hat bereits im letzten Monat mit dem Song auf das zerreißende Problem aufmerksam gemacht. Nun legen Kapa Tult nach und präsentieren eine Chor-Version des kommenden Hits. Den Chor bilden viele Künstler und Künstlerinnen, die das Problem kennen und Musik und Nebenjobs für den Lebensunterhalt benötigen.
Im Chor befindet sich auch ein Mann, der jener Generation angehört, die noch viel Geld mit Musik verdienen konnte. Bela B hat das Problem nicht mehr, hat sich aber dennoch für einen halben Capuccino in den Dienst der Sache gestellt.
Also: Lasst das Streamen. Geht auf Konzerte. Kauft Platten bei denen, die sie produzieren.

www.ladiesundladys.de/artists/kapa-tult

 

Die Eitelkeit ist bei Insta zuhaus

Die Eitelkeit hieß bisher Oscar und die Eitelkeit. Das hilft euch nicht weiter. Es sei denn, ihr seid einer der 213 Follower der Hamburger Band bei Instagram. Aber diese schnöden Fakten interessieren uns bei unruhr nicht. Falsch, denn bei unruhr interesssieren uns eigentlich ausschließlich Bands mit 213 Followern.
Es ist ein neugieriges Interesse, denn noch ist mir nicht klar, was Die Eitelkeit für eine Band ist. Ist das Folk oder der Versuch, Fans von Element of Crime irgendwo abzuholen? Die erste, eitle Single "Technology" bleibt darin unklar. Der Song startet unaufgeregt, um auf halber Strecke Raum zu geben für eine brachiale Gitarre. Oder wie Kenner es formulieren: Country und Folk aufgelöst
im Dröhnen monotoner Krautriffs.
Das klingt vielversprechend und ich prognostiziere, dass die magische Marke von 300 Followern bald gerissen wird.

www.instagram.com/die_eitelkeit_band

 

Rundfunkorchester in cool

Höre ich Sly5thAve, frage ich mich immer: Hab' ich das jetzt schon mal gehört bei James Last, Stevie Wonder, Herbie Hancock, Prince oder im Kino?
Auch das neue Album "Liberation" ist ein fast kammermusikalischer Streifzug durch HipHop und Jazz, durch Soul und Funk. Funky basslines, krasse Gitarren, feiste Bläser und schmalzige Streicher. Das ist alles im Angebot bei Sly5thAve. Es soll Orchestermusik für alle sein, denn Sly5thAve meinte lange Zeit, Orchester seien sehr unzugänglich für die Menschen weltweit.
Doch nun gibt es mit "Liberation" Slys erstes komplett orchester-basiertes Album. Alle 11 Tracks kennzeichnen elaborierte Kompositionen, großmaßstäbige Arrangements, HipHop-Wurzeln und hervorragende Musiker. Fordernder Breitband-Leinwand-Soulfunkjazz  der Extraklasse. Auf jeden Fall zu verwenden, wenn man seine Schwiegereltern beeindrucken möchte.

www.sly5thave.com

Nepal Nocturnes

Tara Lily präsentiert mit ihrer neuen Single "No way out" eine starke, moderne Klavierballade. Das mag erinnern an eine Nocturne der klassischen Romantik. Es reicht allerdings, nicht ganz so tief in die musikalische Mottenkiste zu greifen. Man muss lediglich in die 1990er zurückgehen, denn Taras Stück hat eindeutig etwas vom TripHop der damaligen Zeit.
In "No way out" vermählt sich ein atmosphärisches Piano mit luftig-ätherischen Streichern und mystischen Vocals zu einem intensiven Stück Musik, das im Niemandsland zwischen Jazz, Soul, Pop und TripHop herumgeistert.
Sehr schönes Material der Britin mit bengalischen Wurzeln, die inzwischen auch Jamie Cullum zu ihren Fans zählen darf. Und deshalb sehen wir auch großzügig darüber hinweg, dass der in Nepal gedrehte Clip offensichtlich von einem bekannten Outdoor-Ausrüster gesponsert wird...

www.taralilymood.com

 

Mein Gott, my dear

Es beginnt mit einm schüchternen Piano, einer bedroom Akustikgitarre , einem sanftem Bass und ein wenig Synthieflächen. Zusammen mit der eindringlichen Stimme von Debby Smith wird "Lonely together" zu einem sehr emotionalen Song, der im weiteren Verlauf eine Dancepop-Attitüde offen legt.  Debby schafft es aber, "Lonely together" sehr bewegend klingen zu lassen, ohne in  belanglosem Schmalz oder in Fahrstuhlmusik zu enden.
Die aktuelle Single der Hamburgerin wird viele Menschen direkt ins Herz treffen, mit der melancholischen, aber irgendwie aufbauenden Botschaft des Songs. Und um ganz ehrlich zu sein: Ein Song, in dem der ein wenig altmodisch klingende, aber herzenswarme englische Begriff "my dear" auftaucht, hat bei mir immer gewonnen.
"Lonely together" ist ein weiter Beleg, dass sich das Warten auf Debbys kommemdes Album lohnt. Und so lang dauert es gar nicht mehr. Debby Smith kündigt den Release für den Sommer an.

www.debbysmithmusic.com