Mein Gott, my dear

Es beginnt mit einm schüchternen Piano, einer bedroom Akustikgitarre , einem sanftem Bass und ein wenig Synthieflächen. Zusammen mit der eindringlichen Stimme von Debby Smith wird "Lonely together" zu einem sehr emotionalen Song, der im weiteren Verlauf eine Dancepop-Attitüde offen legt.  Debby schafft es aber, "Lonely together" sehr bewegend klingen zu lassen, ohne in  belanglosem Schmalz oder in Fahrstuhlmusik zu enden.
Die aktuelle Single der Hamburgerin wird viele Menschen direkt ins Herz treffen, mit der melancholischen, aber irgendwie aufbauenden Botschaft des Songs. Und um ganz ehrlich zu sein: Ein Song, in dem der ein wenig altmodisch klingende, aber herzenswarme englische Begriff "my dear" auftaucht, hat bei mir immer gewonnen.
"Lonely together" ist ein weiter Beleg, dass sich das Warten auf Debbys kommemdes Album lohnt. Und so lang dauert es gar nicht mehr. Debby Smith kündigt den Release für den Sommer an.

www.debbysmithmusic.com

Green Pop

Liz Lawrence ist groß geworden mit Reggae und aktivem Umweltschutz. Ich kann sagen, dass ist nicht die schlechteste Kombi. Während sich der Reggae in der musikalischen Vita der Britin inzwischen verflüchtigt hat, ist ihr die Umwelt weiterhin wichtig. Liz baut nicht nur Gemüse an und versucht sich in Ornithologie. Nein, sie transportiert ihre Angst vor dem Kollaps der Natur auch im neuen Song: "Give myself back to mother nature", heißt es in "Big machine".
"Big machine" ist die erste Veröffentlichung des kommenden Lawrence-Albums "Peanuts". Sehr britischer Pop. Catchy, aber edgy. Poppige Passagen treten gern mal in dn Hintergrund für krasse Gitarren, Akustik steht neben Elektronik. Das ist ein Stil, den Liz Lawrence in den letzten Jahren beständig weiter entwickelte und der ihr schon mal ausverkaufte Headliner-Shows in England beschert.
Wir hoffen auf entsprechende Dates in Deutschland, wenn das neue Album am 07. Juni bei Chrysalis Records erschienen ist.

www.lizlawrencemusic.co.uk

Das Feuilleton singt

Avantgardistisch, apokalyptisch, nonkonformistisch und hypnotisch. Das ist in Kürze zusammengefasst Das Feuilleton. Die Leipziger Band gibt es seit 2018 und nun reichen die Jungs das Debütalbum rüber: "Ab morgen bin ich unpolitisch" ist ein schöner, feuilletonistischer Titel, auch wenn Sänger Robert Amarell meint:, "der Albumtitel kann auch mit einem Augenzwinkern verstanden werden und ist einfach 'ne sehr lässige Parole.“
Das Feuilleton dengelt noisige Gitarren, ein industrielles Schlagwerk und kantige Deutschlyrik zusammen zu einem Endprodukt ohne Anspruch auf Massentauglichkeit. "Ab morgen bin ich unpolitisch" erscheint morgen und wird mit den wahren Worten promotet: "Null Komma Null Zeitgeist, keine betont lässige Attitüde, lange Intros, Sessioncharakter, Gitarre-Bass-Schlagzeug ohne groß Schnickschnack, keine Produktionsexzesse und offenbar kein Druck gefällig sein zu wollen oder zu müssen."
Ach...das tut gut in heutigen Zeiten.

www.instagram.com/dasfeuilleton

 

 

Es hätte anders kommen sollen

2019 war Mia Diekows Album eigentlich fertig. Zur Veröffentlichung kam es allerdings nicht. Denn Mia erkrankte wie viele an Corona. Aber sie kam nicht wie meisten glimpflich davon. Sondern leidet seitdem an chronischen Erkrankungen infolge der Covidinfektion.
Aber ihr damaliges Album "Ich habe mich getroffen" geriet dank einer Crowdfunding-Kampagne nicht in Vergessenheit. Und wird jetzt am 22. März bei Chateau Lala veröffentlicht. Die Single "Babyschritte" geht nun raus und ist eine Aufforderung an uns alle, mit Krankheiten aller Art bewusster und sensibler umzugehen.
Respekt, Mia!

www.instagram.com/mia_diekow

 

Die Mensch-Maschine

"Anfang 2020 lieh mir Yamaha ein Disklavier", erzählt Kelly Moran, "ein spezielles Instrument, mit dem man sein Spiel aufzeichnen kann, damit das Klavier es selbst wiedergeben kann. Ursprünglich arbeitete ich an einem Duett für mich und einen anderen Pianisten, aber als die Pandemie ausbrach, wurde das Disklavier mein Duettpartner. Ich begann, eine Reihe von Duetten für mich und das Disklavier zu schreiben und alle Möglichkeiten zu erforschen, wie ich dieses Instrument nutzen konnte, um seine unmenschlichen Fähigkeiten mit meinem eigenen Spiel zu verschmelzen."
Das Ergebnis ist Kellys neues Album "Moves in the field", das am 29. März bei Warp Records erscheinen wird. Ein Album mit Klavier im Mittelpunkt, aber halt ein unmenschliches Klavier mit digitalen Möglichkeiten bis zum Abwinken. Dennoch ist "Moves in the field" ein sehr stimmungsvoller Soundtrack geworden. Musik für den Rückzug in sich selbst. Sehr passend für das philosophische Kant-Jahr 2024 und selbstverständlich fürs Eislaufen.

www.kellymoran.warp.net

Tiere und Türen

Dennis Scheider macht und tut. Produziert ständig neue Musik. Gründet neue Bands. Aber am Ende sagen doch nur alle: Ah ja, muff potter. Denn dessen Gitarrist war Dennis damals in den 90ern. Es ist und bleibt sein Leuchtturmprojekt. Auch wenn es nette andere Sachen gab in seiner Vergangenheit, wie beispielsweise Hotel Schneider. Eine vierköpfige Band, die einen gewissen Funk an den Tag legte.
Doch jetzt ist es wieder schnörkellose Gitarrenmusik, die Dennis mit seinem neuen Projekt Die Tiere vorstellt. Mit "Türen" ist nun die erste Single draußen und es ist eine weitere Facette in Scheiders musikalischem Schaffen. Er selbst gibt zu Protokoll: „Ich fand es schon immer extrem gut, beim Produzieren auf alle Sounds oder Strömungen zu verzichten, die einen Rückschluss darauf zulassen, wann diese Musik aufgenommen wurde“.
Das finden wir wiederum extrem gut, wenn Bands auftauchen, die dem musikalischen Zeitgeist auch einmal die Stirn bieten, aber dennoch nicht altmodisch wirken. Insofern ist die Vorfreude groß auf die erste EP der Tiere. Die wird "Wir wollen nichts" heißen und am 03. Mai erscheinen. Selbstverständlich bei Scheiders eigenem Label Richard Mohlmann Records.

www.dietiere.net